Druckschrift 
4 (1895) Politik
Entstehung
Seite
345
Einzelbild herunterladen
 

Fünftes Buch. Zehntes Kapitel.

345

ebenso gut auch die Ursache der Umwandlung aller übrigen Staats-formen, wie überhaupt aller Dinge sein?

2. Ferner müssen sich innerhalb des Zeitraums, den er alsdie Ursache aller Veränderungen setzt, alle Dinge zusammen mitein-ander umwandeln, sei es, daß sie zugleich miteinander entstandenoder nicht; so daß z. B. wenn etwas den Tag vor dem Eintritt derden Wendepunkt bezeichnenden Periode entstand, dies zugleich mit

Das Verhältnis der Seiten in einem solchen Dreieck sei 3, 4, 5, dessenKathetenguadrate 3? 9; 4? 16 gleich dem Hypotenuscnquadrate 5? 25sei: 9-1-16 25. Das andere harmonische Verhältnis walte ob zwischenden Seiten des Kubus zu seinen Diagonalen, und sei das erstere 5.7 u. s. f.Wir lassen diese Ausführung ganz dahingestellt sein, zumal da sie für daSWesentliche der Sache ohne Interesse ist, und schließen mit folgenden Be-merkungen:

1. Aristoteles verstand die ganze Platonische Stelle, und in seinemCitat werden wir durch nichts daran erinnert, daß er sie nicht verstand.

2. Er hält den Hauptgedanken, der den Platon bei der Aufstellunggeleitet habe, für richtig.

3. Er beurteilt ihn etwas pedantisch und verrät besonders dadurchseine lebhafte Abneigung gegen die Denkart seines großen Zeitgenossen,daß er gerade die dunkelste Stelle aus der poetisch-feierlichen Rede der Musemit einer übelwollenden Gelassenheit so brüsk in den klaren prosaischenZusammenhang seiner eigenen Gedanken, wie zum absichtlichen Kontrast hin-einstellt, weil dadurch, wie er gewiß weiß, bei seinen Zuhörern oder Leserndas Gefühl des Unmuts oder der Lächerlichkeit erzeugt wird und sie gewißbei sich denken werden, wie doch Platons Lösungen so ganz unpraktisch seien.Man kann hierbei kaum umhin, an gewisse Praktiken neuererKathedergrößen zudenken. In ähnlicher Weise verfährt Aristoteles mit Platon auch am Schlußdes zweiten Buchs der Politik. Hier gibt er ein kurzes Resümee von denEinrichtungen, die jedem der erwähnten politischen Schriftsteller eigentümlichseien, und was er da aus Platons beiden erhabenen Werken, diesen schönstenDenkmälern aus dem Paradiese des Geistes, in skurriler Kürze und spöttischerTrockenheit anführt, nämlich Gemeinschaft der Weiber, Kinder und Güter,die Tischgenossenschaften der Frauen, das Tischpräsidium der Nüchternen überdie Trunkenen, das Exerzitium auf links und rechts zum Behuf der gleich-mäßigen Einübung beider Hände, ist offenbar nur angeführt, um Lachenzu erregen. Aber wie oft haben sich große Zeitgenossen mißverstanden!Biese (Philosophie des Aristoteles II, S. 522) citiert eine Schrift von Rettig:Vs numero klatouis ckisxutatio. (Inä. Isct.) Bern, 1835.