Fünftes Buch. Zehntes Kapitel.
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ganz Unrecht hat, denn es kann solche Naturen geben, die durch Er-ziehung zu bilden und zu tüchtigen Männern zu machen ein Ding der
ist, der Ehrgeizige, für die Oligarchie, in der der Reichtum regiert, derHabsüchtige, für die Demokratie der Mann der maß- und regellosen Begierde,über dessen Leben keine Ordnung und Notwendigkeit schaltet, für die Ty-rannis endlich der Tyrann. Die so gefundenen Individuen sind aber nichtdie ersten besten, sondern die jedesmal Regierenden: denn es muß ebenso viel Arten von Menschen geben als Arten von Verfassungen, und diesteigende Entartung der Herrscherindividuen zieht offenbar die immer mehrzunehmende Entartung der Verfassung nach sich. „Die Verfassungen", sagtSokrates, „entstehen nicht von der Eiche oder vom Felsen, sondern aus denSitten derer, die im Staate den Ausschlag geben. Wie sich nun der Ehr-geizige allmählich zum Habsüchtigen umformen könne und dieser in denMann der maß- und regellosen Begierde u. s. f., ist nicht schwer nach-zuweisen. Aber das bietet eine Schwierigkeit, wie die Veränderung in diebeste und erste Verfassung eindringen soll. Ist der „herrschende Teil insich einig, bleibt er, wie klein er auch sei, ohne Zwietracht" (bleibt dassittlich-substantielle Wesen des den Ausschlag gebenden herrschenden Teilsin seiner vollkommenen Integrität), wie soll aus Aristokratie dann Timo-kratie werden?
Bei dieser Untersuchung verläßt nun Platon den Weg der Anführungvon Spezialgründen, die ihm das vorliegende Objekt nicht bietet, und suchtdie Frage so zu beantworten, daß er sagt, alles menschlich Erzeugte, wiealles, was in der Erde wachse, also alles animalische und vegetabilischeLeben, sei nach einem allgemeinen großen Gesetze dem Wechsel unterthan,und zwar so, daß eine bestimmte Periode die Gedeihlichkeit umfasse, währendnach derselben die etwas kürzere Periode des Mißwachses und der Entar-tung eintrete. Weiden nun in dieser letzteren, die den Mißwachs beherrscht,den „Wächtern des Staates" „Bräute zugesellt aus Unkenntnis zur Unzeit,so wird das Kinder geben, die weder wohlgeartet sind noch wohlbeglückt.Zwar wird man von diesen zuerst noch die besten an die Spitze stellen;aber bald werden sie, nachdem sie in die Würden ihrer Väter eingetreten, dasie selbst unwürdiger sind, die schöne Ordnung vernachlässigen und die Jugendunmusischer und ungymnastischer machen. Und bald werden aus ihnen Herr-scher hervorgehen, die nicht mehr die Eigenschaften von Staatswächternhaben."
Mit anderen Worten: Platon wagt den Versuch, das Menschengeschlechtmit seinen geistigen und sittlichen Anlagen, der Veränderung und Entar-tung derselben, sowie ihrer dann endlich rviedereintretenden Erneuerung,unter das Gesetz einer physischen Periodik zu stellen. Die Länge dieser