Fünftes Buch. Neuntes Kapitel.
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3. Dazu gehört ferner, daß die Vornehmen, welche sich in derStadt aufhalten, immer sichtbar sind und häufig im Vorzimmer desTyrannen gesehen werden. Auf diese Art wird ihr Thun und Treibenam wenigsten unbeobachtet bleiben, und ihr Geist wird durch denfortwährenden Dienst allmählich herunterkommen. ^ Es ließen sichhieran noch andere Maßregeln ähnlicher Art nach der Manier derPerser und Barbaren anschließen, die alle auf dasselbe hinauslaufen.Ferner muß der Tyrann Veranstaltungen treffen, daß ihn: nichtsentgeht, was die Unterthanen sprechen oder thun; er muß vielmehrSpione Hallen, wie in Syraku's die sogenannten „Zuträgerinnen" ^waren und die „Horcher", welche Hi'eron ausschickte, wenn irgendwoeine Gesellschaft oder ein Verein stattfand. Durch die Furcht vorsolchen Subjekten wird einerseits der freie Gedankenaustausch ge-dämpft, und wenn dennoch ein freies Wort füllt, so kommt es um sosicherer zur Kunde des Tyrannen.
4. Ferner muß er seine Unterthanen gegen einander verhetzenund verfeinden, Freunde gegen Freunde, das Volk gegen die Vor-nehmen, die Reichen unter sich; er muß einer andern Tyrannenmaßregelzufolge die Unterthanen arm machen, damit er einerseits seine Leib-wache unterhalten kann und andererseits jene vor der Sorge um dastägliche Brot keine Zeit zu gefährlichen Anschlägen haben. ZuBelegen können hierfür die Pyramiden Ägyptens, die heiligenDenkmäler der Kypseliden, die Erbauung des olympischen Tempelsdurch die Pisistratiden und die Werke des Poly'krates in Sa'mosdienen. Denn alle diese Bauten bewirken dasselbe, Beschäftigungund Verarmung der Unterthanen." — 5. Hieran schließt sich im
4. Die Politik Ludwigs XIV. gegen den hohen Adel Frankreichs isthier schon von Aristoteles vorgezeichnet.
5. Hiermit fängt also im Altertum die diplomatische Laufbahn derFrauen an. Es leuchtet ein, daß sie zu dein genannten Geschäft brauch-bar sein mochten. Wo es deren in unseren Tagen gibt, da ist ihr Geschäftim wesentlichen dasselbe. — Über die Lesart des Textes s. Ad. Stahrin den kritischen Anmerkungen zu der griechisch-deutschen Ausgabe derPolitik S. 150 und 151.
i>. Wollte heute der Geschichtschreiber des Altertums über dieseBauten in gleichem Sinne urteilen, so würde man ihn einen „flachenLiberalen" heißen. Und doch urteilt ein Aristoteles so, der nichts