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Fünftes Buch.
ben sie so zum Aufstand, oder sie verklagen sie beim Volk, um dieBesitzungen der Reichen einziehen zu können.
4. In der alten Zeit dagegen, als der Demagog noch zugleichFeldherr war, pflegte die Demokratie in Tyrannis überzugehen, undso sind denn auch die alten Tyrannen meist aus Demagogen hervor-gegangen. Der Grund davon, daß das damals geschah, jetzt abernicht mehr, liegt darin, daß die Demagogen von damals aus den Rei-hen der Feldherrn hervorgingen , — denn in der Beredsamkeit wa-ren sie eben noch nicht stark, jetzt aber demagogiren zwar, bei dengroßen Fortschritten der Redekunst, wohl die Redner, aber da sie vomKriegshandwerk nichts verstehen, so wagen sie nicht die Usurpation,und wenn ein Fall der Art auch irgendwo vorgekommcn ist, so hatein solches Regiment doch keine Dauer gehabt. — 5. Das häufigereVorkommen von Tyrannenherrschasten in früherer Zeit kam auch da-von her, daß man zuweilen große Machtbefngniß in einer Magistraturkonzentrirte. So ging in Milet aus der Prytanenwürde?) Tyrannishervor, weil der Prytane die entscheidende Gewalt in den meistenund wichtigsten Angelegenheiten besaß. Ein anderer Grund derselbenErscheinung liegt in dem noch nicht großen Umfange der damaligenStädte. Das Volk lebte aus seinen ländlichen Grundstücken und be-trieb eifrig seine Arbeit, und so konnten die Volksvorsteher bei krie-
6) Kolonie in Aeolis, auf Kleinasiens Westküste.
6) Cromwell und Napoleon dienen für die neuere Zeit als Beweis fürdie Wichtigkeit militärischer Talente, wenn diese zu politischer Bedeutung hin-zukommen.
?) PrytaniS ist ein in vielen Griechischen Staaten nach Abschaffung deSKönigthumS vorkommender Titel des Staatsoberhauptes, und gleichbedeutendmit Fürst, Oberster, Erster. Der Machtunnang der PrytaniS ist in verschie-denen Staaten verschieden, doch ist im Ganzen seine Stellung immer bedeu«tend. Der König Hier» selbst wird von Pindar mit dem Titel PrytaniS an-geredet. Wenn die Verfassungen demokratischer werden, führt ein Kollegiumden Namen Prytanen, der sich in den Ionischen Städten bis in die NömischenZeiten eryielt. Ueberall, wo die Prytanen Magistrate waren, hatten sie diesacralen Funktionen des früheren KönigthumS zu besorgen, wenn man dafürnicht einen besondern Beamten mit dem KönigStitel, wie in Delphi, bestehenließ. S. Schömann a. a. O. 144. Bei Homer findet sich (Iliade V, 678)^der Name PrytaniS als Eigenname.