Viertes Kapitel.
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gerischen Talenten in.der Stadt sich leicht zu Tyrannen aufwerfen ^).Alle aber, welche dies thaten, hatten sich dazu das Vertrauen desVolks erworben, und das Mittel dies Vertrauen zu gewinnen bestanddarin, daß inan sich für einen Feind der Neichen erklärte. So wardPisistratns Tyrann von Athen, indem er einen Aufstand gegen dieBewohner der Getreidecbenen (Pediäer) erregte 9). Theageues wardes in Megara dadurch, daß er die Heerden der Reichen schlachten ließ,die er am Flußufer weidend gefunden hatte, und Dionysius ward we-gen seiner Anklage des Dahhnäus"") und der Neichen der Herrschaftwürdig befunden, da man ihm wegen seiner Feindschaft gegen die Nei-chen als einem ächten Volksfreuude Vertrauen schenkte.
6. Auch Umwandlungen der alten mäßigen Demokratie in dieextreme der neusten Zeiten kommen vor. Denn wo die Staatsämterdurch Wahl besetzt werden, ohne daß dabei auf den Ceusus Rücksichtgenommen wird, und wo das Volk selbst wählt, da bringen es durchdemagogische Umtriebe die nach Aemteru Begierigen dahin, daß siedas Volk selbst über die Gesetze stellen. Ein Mittel diesem Uebelstaudeganz oder doch theilweise vorzubeugen, ist hier, daß man die Beamten
8) Auch Kylon von Athen (Sir v. Ehr.) ward in seinem Plane, sichzum Tyrannen von Arhen zn machen, durch den Umstand unterstützt, daß dieadligen Grundbesitzer auf ihren Gütern auf dem Lande lebten. KylonSSchwiegervater war der in diesem Kapitel erwähnte Tyrann Theageues vonMegara.
0- Ihm gelang was Kylon vergebens erstrebt hatte. Vgl. Dnneker Gefch.d. AlterihumS IV, S. 302—304. Mit den Pediäern sind die adligen grund-besitzenden Geschlechter gemeint, gegen welche PisistratuS die armen Fröhner unddemokratischen Bergbewohner sich erheben ließ. Vgl. Herodvt I, SS. Plu-tarch im Leben Solons Kap. IZ.
i") Ein Feldherr der Syraknser, den DivnysioS stürzte und auS dem Wegeräumte. Vgl. Diodor IZ, SS, der, wahrscheinlich aus den Politik» des Ari-stoteles oder aus PhilistnS den Vorgang ausführlich erzählt, wie Dionysius auseinem niedrig geborenen Schreiber und Sohne eines Eseltreibers Tyrann dermächtigsten und schönsten Hellenischen Stadt ward, und seine Herrschaft acht-unddreißig Jahre bis an sein Lebensende behauptete. Er ist eine der interes-santesten und wunderbarsten Gestalten in der griechischen Geschichte, großerFreund der Philosophie, Litteratur und Poesie, und selbst leidenschaftlicherPoet, wie er denn zahlreiche Tragödien dichtete, wobei er sich durch dieSchreibtafel des AeschyloS begeisterte, die er sich zu verschaffen gewußt hatte.