Fünftes Buch. Erstes Kapitel.
277
zwei und eins gleich, proportional dagegen ist cs der zwischen vierund zwei und zwischen zwei und eins; denn zwei ist derselbe Teilvon vier, wie eins von zwei, da beides Hälften sind. Trotz ihrerÜbereinstimmung nun, daß die Gerechtigkeit als Gleichheit im allge-meinen stattzufinden habe, gehen die Ansichten der Menschen in betreffder Gleichheit nach dem Werte auseinander, wie früher bemerkt worden.Die einen verlangen, wenn sie den anderen in einem Stücke gleichsind, eine durchgängige Gleichheit mit den anderen in allen Stücken;die anderen, wenn sie ungleich^ in einein Betracht sind, halten sichin jeder Hinsicht zu größeren Ansprüchen berechtigt. °
7. Daher findet man auch in der Wirklichkeit vorzugsweise nurzwei Verfassungen, Demokratie und Oligarchie; denn edle Ab-kunft und Tugend o findet sich nur bei wenigen, während die Ele-
4. Das heißt in Wirklichkeit überlegen. Man erinnere sich der Ent-wickelung im fünften Kapitel des dritten Buches. Sehr häufig wird zudem Ausdrucke Ungleichheit, dem strengeren in der politischen Termino-logie, der Ausdruck Bevorzugung oder Überlegenheit (i-nepoxß) alsErklärung hinzugefügt.
b. Das Gleiche ist in der politischen Terminologie der Hellenen derAusdruck, welcher den gleichen Anspruch der Bürger an den Negierungs-rechten bezeichnet.. Er ist bestimmter als die stzalrte der Franzosen Aus„Gleichen und Ähnlichen" bestand die Bürgerschaft der athenicnsischenDemokratie, aus Ähnlichen sHomö'en) die dorische Bürgerschaft Spartas.Der Unterschied zwischen numerischer Gleichheit und der Gleichheit nachdem Werte (Verdienste) war für die Politik sehr wichtig und ist es noch.Aristoteles führt die letztere auf die proportionale zurück und wäre nochdeutlicher gewesen, wenn er durch Sachen und nicht durch Zahlen erklärthätte. Solon gab den Bürgern Athens die Gleichheit, aber die propor-tionale, indem der Anteil der Bürger an de» Regierungsrechten nach demVermöge» abgcstuft war, so daß kein Bürger der vierten Klasse behauptenkonnte, sein Anteil sei kleiner, als der eines Bürgers der ersten. DasStreben der sich immer mehr und mehr demokratisierende» Bürger gingnun dahin, aus der proportionalen Gleichheit eine numerische zu machen,und mit diesem Satze ist eigentlich die Entstehung, die Entwickelung unddie Entartung der Demokratie in einer allgemeinen Formel ausgcdrückt.Solon war übrigens von der Reinheit dieses Verhältnisses in seiner Volks-cinteilung so befriedigt, Laß er sich in einem uns erhaltenen Gedichte sodarüber aussprach:
Ich erteilte dem Volke an Macht so viel, als genug war,Nicht der Ehre zu viel gab ich, zu wenig ihm nicht.
6. Hiermit sind die Elemente zur Aristokratie im alten Sinne, zum