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4 (1895) Politik
Entstehung
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Aristoteles, Politik.

diese, oder jene, wo aus einer Menge jeder einzelne für sich Herrschcr-macht übt, ist nicht klar.

5. Ein solches Volk nun sucht in seiner Eigenschaft als Monarch,weil es nicht vom Gesetze beherrscht wird, auch monarchisch zu regieren,und wird despotisch, so das; bei ihm die Schmeichler zu Ehren kom-men. Eine solche Volksherrschaft entspricht unter den Monarchieen derTyrannis. Darum ist auch der Charakter derselbe, und beide unter-drücken despotisch alle besseren; die Volksbeschlüsse sind hier, was dortdie Ordonnanzen, und der Demagog ist vollkommen dasselbe, was derSchmeichler, daher beide hier, wie dort, den meisten Einfluß haben, dieSchmeichler bei dem Tyrannen, die Demagogen bei einem solchenVolke. 6. Ja, sie zumeist sind schuld daran, das; die Volks-beschlüsse und nicht die Gesetze entscheiden, dadurch das; sie alles vordas Volk ziehen. Sie werden nämlich dadurch selbst mächtig, das; dasVolk unbeschränkte Macht über alles übt, sie aber wieder über dessenMeinung, welche sie durch ihre Beredsamkeit zu lenken wissen. Fernerermangeln auch diejenigen, welche die Magistrate anklagen, nicht,alles ausschließlich dem Richterspruche des Volkes anheimzustellen.Dieses geht natürlich auf den Vorschlag zu einer außerordentlichenEntscheidung gern ein, und so verlieren alle Magistraturen vollendsHalt und Würde. 7. Mit Recht dürfte man daher dieser Demokratieden Vorwurf machen, sie sei keine Verfassung. Denn wo nicht dasGesetz herrscht, da sei keine Verfassung. Das Gesetz muß in seinerallgemeinen Herrschaft sich über alles erstrecken, während über dieEinzelfülle den Obrigkeiten und der Verfassung die Entscheidung zu-steht. Soll mithin der Demokratie auch wirklich ein Platz unter denVerfassungen gebühren, so ist doch offenbar ein solcher Zustand, woalles durch Volksbeschlüsse geschieht, auch nicht einmal Demokratieim eigentlichen Sinne zu nennen, weil kein Dekret etwas

Gedeihn bringt Vielherrschaft, nur einer sei Herrscher." Ilias 2, 204.Man sieht aus dieser Stelle, wie Homer bei den Griechen fast ganz die Stelleder Bibel einnimmt. Aussprüche, die dem engsten Zusammenhänge des Ge-dichtes angehören, müssen sich dazu bequemen, durch Deutung zu Beweisen fürdie fernliegendstenVerhältuisse verwandtzu werden. Aristoteles jedoch erscheinthier, wie auch sonst, durchaus frei von dem herrschenden Autoritätsglauben.