Drittes Buch. Sechstes Kapitel.
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für einen Unterschied machen? die vorhin erwähnten Ungerechtigkeitenwerden ja dann ebensogut eintreten.
4. Von den übrigen Punkten soll nun ein andermal geredet Kap.werden. Die Ansicht aber, wonach die Staatsgewalt besser durch die^^Menge gebildet wird, als durch die besten, aber an Zahl geringen,scheint zu einein Abschluß gebracht werden zu können, und neben einemgewissen Bedenken doch vielleicht auch eine Wahrheit zu enthalten.
Es ist nämlich möglich, daß die vielen, von denen jeder einzelne keinvorzüglicher Mann ist, wenn sie zusnmmenkommen, besser sind alsjene, zwar nicht als einzelne, sondern in der Gesamtheit, ebenso wieMahle, zu deren Ausrüstung viele beisteuern, besser sein können, alssolche, die auf Kosten eines einzigen ausgerüstet werden. Denn wenneine Menge zusammenkommt, so hat jeder einen Teil von Tugendund Einsicht, und alle werden gleichsam dadurch zu einen: kollektivenIndividuum, mit vielen Händen, vielen Füßen, vielen Sinnen, undebenso hinsichtlich der Gesinnung und Einsicht. Daher fällt auch dieMenge ein besseres Urteil selbst über die Werke der Musik und Dich-tung; der eine erfaßt in seinem Urteil diese, der andere jene Seite,alle zusammen aber das Ganze.
5. Aber dadurch unterscheiden sich die vorzüglichen Menschenvon jedem Individuum der Menge, daß, gerade so wie die Schönensich von den nicht Schönen, und die Gebilde der Kunst des Malerssich von denen der Natur unterscheiden, hier die verschiedentlich zer-streuten Eigenschaften in Eins vereinigt sind.5 Sind sie getrennt,so ist es freilich wohl möglich, daß hier ein Mensch ein schöneres Auge,ein anderer sonst etwas schöner habe als im Bilde des Malers. Obnun in jedemVolke und in jederMenge dies Verhältnis der vielenzu den wenigen Vorzüglichen obwalte, ist nicht ausgemacht; vielmehrdürfte es, beim Zeus, wohl ausgemacht sein, daß es bei einigen nichtstattfinden kann. Denn derselbe Satz ließe sich auch auf die Tiereanwenden, und — wie wenig unterscheiden sich manche im ganzengenommen von den Tieren? Aber bei einer gewissen Menge magdas Gesagte immerhin wahr sein.
5. Vgl. Leno phon, Memorabilien III, 10, 2.
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