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4 (1895) Politik
Entstehung
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Fünftes Kapitel.

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hier immer viele sind; denn reich sind wenige, an der Freiheit aberbethciiigen sich alle, und aus diesen Gründen machen sie sich gegensei-tig die Leitung des Staates streitig.

8. Wir haben nun zunächst auf die über Oligarchie und Demo-AH;kratie gemeinhin aufgestellten Prineipien einzugehen und zuzusehen,wie sich das Gerechte vom oligarchischen und demokratischen Stand-punkte betrachtet ausnimmt. Denn in gewisser Hinsicht nähern sich allediese Formen der Gerechtigkeit, aber sie gehen in dieser Bewegung nurbis zu einem gewissen Punkte vor und fassen das eigentlich Gerechtenicht in seiner Ganzheit. So gilt z. B. die Gleichheit für das Ge-rechte, und sie ist es auch, aber nicht für Alle, sondern für die Un-gleichen. Aber diese Beschränkung, nämlich die Beziehung aus dieBeschaffenheit der Personen, lassen die Menschen beider Definition ausund urtheilen falsch; und das rührt daher, weil das Urtheil sie selbstbetrifft. Fast alle Menschen aber find schlechte Richter in eigner Sache.

9. Also während das Gerechte relativ, und ebensowohl nach Be-schaffenheit der Gegenstände und Personen verschieden ist, wie dasfrüher in der Ethik entwickelt, ist man zwar über den sachlichen In-halt^) der Gleichheit einverstanden; aber man streitet darüber, wergleich sein soll, und das hauptsächlich aus dem so eben angeführtenGrunde, weil die Menschen schlechte Richter in eigner Sache sind,und dann auch deshalb, weil das in ihrer Behauptung theilweis lie-gende Recht sie zu glauben verleitet, sie hätten absolut Recht. DieEinen nämlich meinen, wenn Andre ihnen in einem Stücke z. B. inReichthum nicht gleich sind, daß sie nun deshalb ihnen in allenStücken ungleich zu sein hätten; die Andern dagegen beanspruchenwieder, wenn sie jenen in einem Stücke gleich sind, z. B. in der Frei-

5) DasGerechte" und daSGleiche" sind politische Begriffe. Die Ge-rechtigkeit ist nach Buch I. Kap. >. dieses Werk ein Bestandtheil des Staats,lieber dasGleiche" sehe man B. 2, Kap. >. und das in Anmerk. 3. gesagte.

6) Aristoteles sagt in der Nikomachischen Ethik 5, 4 iAlle stimmen darinüberein, die V e r t h e i l u n g e n der Genüsse mußten nach Würdigkeit derPersonen stattfinden, das sei das Gerechte; aber worin diese Würdigkeitbestehen soll, darüber ist der Streit. Die Demokraten nennen die Freiheit,die Oligarchen Neichthum oder edle Geburt, die Anhänger der Aristokratie dieTugend."