Fünftes Kapitel.
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3. Dies Verfahre» hat aber seinen guten Grund. Denn Eineroder wenige können recht wohl als die Besten hervortrcten, wogegenes bei mehreren schon schwer fällt, ihr Verhältniß zur gesainmteu Tu-gend treffend zu bezeichnen; es geht am meisten noch bei der kriegeri-schen, weil diese sich in der Menge entwickelt. Daher ist auch in einersolchen 2) Staatsverfassung die souveraine Gewalt vorzugsweise inden Händen der wehrhaften Bevölkerung, und Vollbürger sind in ihmdiejenigen, welche die Waffen führen.
4. Ausartungen dieser genannten regelmäßigen Formen abersind diese: von dem Königthum Tyrannenherrschaft, von derAristokratie Oligarchie, vom Versassuugsstaat (Politik) Demo-kratie. Die Tyrannis ist Monarchie zum Nutzen des Monarchen, dieOligarchie ist eine Regierungsform, die den Vortheil der Reichen, dieDemokratie eine solche, die den Vortheil der Armen bezweckt, dasWohl der Allgemeinheit dagegen bezweckt keine von ihnen.
Ich muß indessen das Wesen einer jeden dieser Staatsverfassun-AHgen etwas ausführlicher erörtern, einmal wegen der dabei verkommen-den Schwierigkeiten, und dann weil es jeder Forschung die es ausWissenschaft und nicht bloß ans das Praktische abgesehen hat, gemäßist, nichts zu übersehen und nichts liegen zu lassen, sondern die Wahr-heit über ein Jedes an's Licht zu fördern. — 5. So ist denn, wiegesagt ward, Tyrannis eine despotische^) Alleinherrschaft über einenStaatsverein. Oligarchie findet statt, wenn die höchste Gewalt imStaate in den Händen derer ist, welche Vermögen besitzen, und umge-kehrt Demokratie, wenn die nicht Vermögen besitzenden sondern viel-mehr Armen der Souverain sind. Da betrifft nun die erste Schwie-rigkeit die Eintheilung. Gesetzt nämlich, die zugleich reiche Mehrheithätte die oberste Gewalt im Staat in Händen, — (Demokratie istnach unserer Bestimmung da, wo die Menge der Souverain ist) —und ähnlich wenn eS sich wieder so träfe, daß irgendwo der Armenweniger wären als der Neichen, ihnen aber ihre überwiegende Kraft
2) Wo kriegerische Tugend dos Gemeinwohl schafft und erhält.
Auch bei diesem Ausdruck Hot mou sich ou die frühere Bestimmungdes Aristoteles über „despotisch" und „Despotie" zu holten. Vgl. I, Kop. 2 ,§> 2-3 ff.