Druckschrift 
4 (1895) Politik
Entstehung
Seite
158
Einzelbild herunterladen
 

158

Zweites Buch.

dm Frauen bezwecken, damit diese nicht so viel Kinder gebären. Ergestattete deßhalb den Umgang mit dem männlichen Geschlecht ^), eineEinrichtung, deren Zweckmäßigkeit oder Unzweckmäßigkeit zu einer ge-legenen Zeit ausführlich untersucht werden soll. Daß nun die Tisch-genossenschaften bei den Kretern besser als bei dcn Lakonen eingerichtetsind, leidet gar keinen Zweifel, dagegen ist das Institut der Kos mennoch schlechter, als das der Ephoren. Denn alles was die Magistra-tur der Ephoren Uebles hat, das ist auch hier vorhanden; man nimmtdazu nämlich die ersten besten. Der Nutzen aber, der daraus der dor-tigen Konstitution erwächst, fällt hier weg. Dort nämlich ist dasVolk, weil aus allen gewählt wird, wegen der Betheiligung an derhöchsten Magistratur, bei der unveränderten Fortdauer der Verfassungintercssirt. Hier aber (in Kreta) werden die Kosmen nicht aus allengewählt, sondern aus einigen Geschlechtern °), und die Mitglieder desRaths der Alten (Geronten) aus den gewesenen Kosmen. 6. Uebri-gens sind an dem Institut dieselben Ausstellungen zu machen, wie andem in Lakedämon. Denn die Unverantwortlichkeit und Lebensläng-lichkeit ist eine zu hohe amtliche Auszeichnung, und es werden damitdie Verdienste der Individuen zu hoch belohnt, und die Bcsugniß der-selben, nicht nach geschriebenen Bestimmungen sondern nach eigenemErmessen zu regieren, ist gefährlich. Wenn nun auch das von derTheilnahme an dieser Stellung ausgeschlossene Volk ruhig bleibt, sospricht das noch nicht für die Zweckmäßigkeit der Einrichtung; dennes fehlt den Kosmcn an der Gelegenheit, wie sie die Ephoren haben,sich durch Geld gewinnen zu lassen, da sie auf einer Insel zu entfernt

5) Vergleiche WachSmnth Hellen. AltcrthumSkunde II, l, S. 42. II, 2,S. 484S.

S) Die Zahl der Geschlechter, aus denen sie gewählt werden konnten, hattesich zu Aristoteles Zeit sehr znsammengezogen. Die Gewalt der KoSmen hatteein tyrannisches Ansehn bekommen, und die einzelnen große» Familien hattenunmittelbaren Einfluß auf die Staatsleitung, so daß ilire Zwiste Partheiunge»für das Ganze wurden. ES war daher die Verfassung in eine Geschlcchterdy-nastie ausgeartet, wogegen das demokratische Element, bei seiner Schwäche,nicht aufkommen konnte, zumal da eS an geschriebenen Gesehen mangelte.Hiernach ist das anfznfaffc» , was Aristoteles von der Ungereimtheit des Mit-tels gegen den Fehler in der Verfassung sagt. Vergleiche Müller Dorier 2,S. lZZ.