148
Zweites Buch.
jene, so zu sagen, immer ans der Lauer liegen, um sich etwaige Un-glücksfälle zu Nutze zu machen. — 3. Bei den Kretern dagegen istetwas der Art noch nicht vorgckommen, und das rührt wohl daher,daß die Nachbarstädte, wenn sie auch mit einander in Krieg liegen,doch den Empörern in keinem Falle Beistand leisten, weil dies, da sieebenfalls unterthänige Leute besitzen, ihre eignen Interessen gefährdenwürde, wogegen die Lakonen mit allen ihren Nachbarn, den Argivcrn,Meffenicrn und Arkadcrn verfeindet waren. Und grade deshalb fielendie hörigen Leute anfänglich auch von den Thcssalern ab, weil diesenoch mit ihren Grenznachbarn, den Achäern, Perrhäbern und Magne-ten zu kämpfen hatten.
4. Aber abgesehen von allem andern entspringt aus der übersie zu führenden Aufsicht die mühevolle Schwierigkeit, wie man sierichtig behandeln soll. Durch zu schlaffe Zucht werden sie übermüthigund erheben für sich gleiche Ansprüche mit den Herren; und hält mansie in zu gedrückter Lage, so erzeugt man bei ihnen Meuterei und Haß,und wo solche Erfahrungen bei dem Helotenverhältniß zum Vorscheinkommen, da ist sicherlich die richtige Art sie zu behandeln verfehltworden.
5. Ein anderer Punkt ist die Beeinträchtigung des Staatszwecksund seiner gesetzlichen Ordnung durch die zu schlaffe Zucht in Betreffder Frauen. Denn wie Mann und Frau die Bestandtheile der Familiebilden, ebenso hat man offenbar auch den Staat einer ähnlichen Zwei-theilung unterliegend anzusehen, nach welcher er in die männliche undweibliche Bevölkerung zerfällt. In allen denjenigen Staatsverfaffun-gen also, wo die Verhältnisse der Frauen übel geordnet find, da fehlteben der Hälfte des Staates, nach einer nothwendigen Betrachtung,die gesetzliche Ordnung überhaupt. Und das hat sich in Sparta erge-ben. Denn hier sieht man, wie der Gesetzgeber seinen für den ganzenStaat bestimmten Grundsatz der Mäßigkeit und Ausdauer zwar beider männlichen Bevölkerung durchsetzte, bei der weiblichen aber hierinnachlässig verfuhr, da die Frauen dort^) ein in jeder Art zügelloses
Diese Neppigkeit und Zuchtlosigkeit der Frauen in dem JunkcrstaateSparra erscheint schon zur Zeit des AlkibiadeS, der davon zu profitiren wußte,ans einer bedeutenden Höhe, und Plato gedenkt der ungezügelten Freiheit, de-