Zweites Buch. Viertes Kapitel.
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11. Es nützt nun die Vermögensgleichheit unter den Bürgernallerdings etwas dazu, daß sie unter einander Ruhe halten, doch istder Nutzen, kurz herausgesagt, wirklich sehr unbedeutend. Leute vonTalent und Bildung werden nämlich eine solche Gleichheit, als ihrerunwürdig, mit Unwillen ertragen, weshalb sie auch häufig in derErfahrung als Aufrührer und Empörer erscheinen. Aber auch, ab-gesehen hiervon, ist auch die Unersättlichkeit der schlechten Natur derMenschen eigentümlich. Zunächst genügt nun wohl der Zwei-obolensatz?, wenn er aber erst herkömmlich geworden ist, wollensie» immer mehr und steigern zuletzt ihre Forderungen bis insUnendliche; denn die Natur der Begierde kennt kein Ende, und inihrer Befriedigung besteht das Leben des großen Haufens.
12. Bei so bewandten Umständen ist ein Prinzip von durch-greifenderem Erfolge nötig, als die Ausgleichung des Vermögens:man suche die edlen Naturen dahin zu bringen, daß sie nichtsvoraus haben wollen, und die gemeinen in eine solche Lage zuversetzen, daß sie nichts voraus haben können. Und dies geschiehtdann, wenn sie an Zahl geringer sind und inan ihnen kein Unrechtthut. Aber auch nicht einmal die Gleichheit des Vermögens selbsthat Phalleas richtig angegeben; denn er macht nur den Grundbesitzgleich. Nun besteht aber der Reichtum doch auch in Sklaven undHerden, in Golde und in dem zahlreichen Geräte des Mobiliar-
einen Teil der hellenischen Landschaften an der asiatischen Küste von denPersern loszureißen. In der That machte er sich zum Beherrscher der festenStädte und Handelsplätze Atarneus und Assos und ihrer Umgegend. Derhier von Aristoteles erzählte Zug läßt den kalkulierenden Bankier in Eu-bu'lus wieder erkennen. Der Nachfolger desselben war Aristoteles' Freundund Mitschüler bei Plato, Hermi'as von Atarneus <1853) p. 3—6.
7. Aristoteles spielt hier auf Verhältnisse und Einrichtungen an, dieseinen Lesern ohne weiteres bekannt und verständlich waren. Diese „Dio-bolie", d. h. die Auszahlung von zwei Obo'len (zu Zeiten auch mehr) andie ärmeren Bürger Athens ans Staatsmitteln zur Zahlung des Eintritts-geldes in das Theater, war eine demagogische Maßregel des großen Pe'ri-kles <s. Pluta'rch, Perikles, Kap. 9), der durch solche Festspcnden (Theo'rika)das Volk zu gewinnen trachtete. (Vergl. Boeckh, Staatshaushalt der AthenerI, 311 ff.) Unter den folgenden Demagogen entstand daraus eine förmlicheVerschleuderung des Staatsvermögens.
8. D. h. das arme Volk, der große Haufe.