Zweites Buch. Viertes Kapitel.
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7. Ferner treibt nicht bloß die Ungleichheit des Besitzes, sondernauch die ungleichmäßige Verleihung von Ehrenauszeichnungen dieMenschen zur Empörung und Revolution, wo freilich in beiden Fällender Hergang ein ganz entgegengesetzter ist. Der große Haufe nämlichwird unruhig wegen der Ungleichheit des Besitzes, die Gebildeten^dagegen um der Ehrenauszeichnungcn willen, wenn sie allen gleich-mäßig zu teil werden; daher jene Klage:
„Gleicher Ehre genießt bei ihm der Tapfre und Feigling", sEs bringt auch nicht bloß der Mangel am Notwendigen die Menschenzum Unrecht thun, — wofür der Gesetzgeber mit seinem Mittel derVermögensgleichheit Abhilfe zu schaffen meint, so daß niemand mehrwegen Kälte und Hunger auf Diebstahl und Raub ausgehen würde,— sondern auch die Absicht, das Leben zu genießen und nicht von derheftigen Begierde nach den Gütern desselben gequält zu werden. Dennwenn die letztere über das Notwendige hinausgeht, so wird die Be-friedigung derselben die Menschen Verbrechen begehen lassen. Za, undauch nicht bloß aus diesem Grunde, sondern sie werden auch das Ver-langen haben, das Leben ohne Begleitung schmerzhafter Empfindun-gen zu genießen.
8. Wie kann nun diesen Dreien geholfen werden? Man ver-schaffe den ersten einen mäßigen Besitz und Beschäftigung, empfehleden zweiten Mäßigkeit, und wenn die drittel: sich zur wirklichen Stei-gerung ihres Daseins entschließen könnten, so würden sie sich wohlnirgendwo anders als bei der Philosophie nach Hilfe umsehen; denndie übrigen Mittel bedürfen der Mitwirkung der Menschen. Geradedie größten Verbrechen der Menschen entspringen aus ihren ausschwei-fenden Gelüsten und nicht aus dem Mangel am Notwendigen, wiez. B. niemand sich zum Tyrannen einsetzt, um sich vor Kälte zuschützen, woher denn auch größere Ehren dem zu teil werden, dereinen Tyrannen, als den:, der einen Dieb erschlägt. Somit
4. Eine der zahlreichen Bezeichnungen für die Optimalen und Aristo-kraten. (Vgl. Kortüm, „Zur Geschichte hellenischer Staatsverfassungen,S. 14 u. 15.) Unter anderen nannten sie sich auch gern die „Gebildeten", die„Feinen und Reichen", die „Wohlgesitteten", die „Guten" u. s. w. Ganz wienoch heute!
8. Homer, Ilias IX, 319 im Munde Achills.