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4 (1895) Politik
Entstehung
Seite
123
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Zweites Buch. Erstes Kapitel. 123

Liebenden bloß das Beiwohnen zu verbieten, das Liebesverhältnisaber wie die übrigen Vertraulichkeiten, die zwischen Vater und Sohnund zwischen Geschwistern im höchsten Grade unschicklich sind, wie schondas bloße Liebesverhältnis selbst, zu gestatten. Es ist widersinnig, dasÄußerste des Liebesumganges lediglich aus dem Grunde abzuschneiden,weil dadurch die Lust allzuheftig werde, dagegen es für gleichgiltigzu erachten, daß die hierbei Beteiligten einander Vater, Sohn oderGeschwister sind. Auch scheint die Frauen- und Kindergemeinschaftmit größerem Nutzen mehr bei den Ackersleuten eingeführt werdenzu können, als bei den Aufsehern des Staates. 12 Denn wo Frauenund Kinder gemein sind, da wird sich unter den Individuen wenigerfreundschaftliche Zuneigung^ entwickeln; solche Unterthanen aberfind nötig, wenn sie willigen Gehorsam leisten und nicht revolu-tionieren sollen.

16 . Überhaupt muß bei dieser Einrichtung notwendig dasGegenteil von dem herauskommen, was ein zweckmäßig eingerichtetergesetzlicher Zustand bewirken soll, und dies auch um des Grundeswillen, der dem Sokrates bei dieser Anordnung der Verhältnisse derKinder und Frauen maßgebend war. Auch wir halten ein liebendesWohlwollen für eilte der größten Segnungen in den Städten, einElement, wodurch bürgerliche Umwälzungen am wenigsten aufkommenkönnen, gerade wie Sokrates vorzugsweise auf Einheit im Staatedringt, die nach einer allgemeinen und von ihm geteilten Ansicht eineWirkung des liebenden Wohlwollens ist, wie wir denn den Ausspruch

Fall war der Totschlag. Hier ward der Thäter angesehen als mit einerBlutschuld belastet und befleckt. Er muß das Land verlassen und sich inder Fremde von einem geachteten und angesehenen Manne reinigen undsühnen lassen. Dieser läßt ihn sich die Hände mit Quellwasser waschen,opfert und bestreicht ihn mit dem Blute des Opfertieres. Dann verträgter sich mit den Verwandten des Erschlagenen und steht so lange unterdem Schutze dessühnenden Zeus". Das Ritual der Sühnungen war sehrmannigfach.

12. Bei den sogenanntenWächtern" des Platonischen Staates.

13. Der griechische Ausdruck enthält auch den Begriff der Freundschaftganz speziell. Auch auf sie findet das. was Aristoteles sagt, seine Anwen-bung. In Plato'sGastmahl" heißt es. daß die enge Freundschaft zwischenHarmo'dius und Aristogi'ton eine politische Revolution hervorbrachte.