Zweites Buch. Erstes Kapitel.
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jedes Mitglied des Staates, befinde es sich im Glück oder im Unglück,ohne Rücksicht darauf, der wievielte damit gemeint wird. Man sagtz. B.„Dieser ist mein, oder der und der",und bezeichnet so jeden ein-zelnen der tausend, oder wieviel Bürger die Stadt zählen mag, undzwar beständig zweifelnd. 6 Denn es ist nicht auszumachen, wem einKind geboren ward, und ob es nach der Geburt am Leben blieb.
12. Braucht man nun füglicher den Ausdruck mein so vonjedem, indem man damit in derselben Art zweitausend oder zehntausendbezeichnet, oder ist die gegenwärtig in den Staaten übliche Anwen-dung des Ausdrucks mein vorzuziehen? Denn hier nennt der eineeine bestimmte Person seinen Sohn, der andere dieselbe seinen Bruder,der dritte eine solche seinen Vetter oder sonstihm verwandt, entwedernach Blutsverwandtschaft oder der Freundschaft und Verschwägerunggemäß zunächst mit sich oder mit den Seinen, dann aber in andererBeziehung nennt einer jemand seinen Geschlechts- oder Stamm-genossen.? Und es möchte denn doch besser sein, ein wirklicher Vetter,als auf jene Art Sohn zu sein. 8
6. Die ganze Stelle ist durchaus verdorben. Der Sinn in der Über-setzung ist daher nur als eine Vermutung anzusehen.
7. Diese Begriffe sind durch die französische Revolution verwischt undheute Gegenstand der Gelehrsamkeit. Den antiken Staaten und in deinDeutschland des Mittelalters, auch sonst noch, ist die Einteilung in Stammeund Geschlechter durchaus wesentlich. In A'ttikä bestanden seit den ältestenZeiten her vier Stämme, die vier Ständen entsprachen. Diese zerfielen inVereine und Genossenschaften, in Athen Phratrie'en genannt, und denKn'rien in Rom, den Ordnungen in Köln, den Klassen in den lombardischenStädten entsprechend. Die -Phratriecn zerfielen in kleinere Genossenschaften,ursprünglich für politische Zwecke gebildet, nachher nur noch KultnSzweckeallein erfüllend; sie heißen „Geschlechter", und ihre Mitglieder sindnicht blutsverwandt. Auch inDeutschland haben sie lange bestanden, undes hieß das Mitglied eines solchen Geschlechtsverbandes „ein Geschlechter",ein Ausdruck, mit welchem in alten deutschen Wörterbüchern das Wortxatrioins übersetzt wird. Den Stämmen, Phratrieen und Geschlechtern stehtdie G emeind e streng gegenüber. Die Verbindung von Geschlechtern undGemeinde heißt in Griechenland Politik, im Italienischen xo'polo, nichtil oommnws, welcher Ausoruck nur die Gemeinde, nicht die Vereinigung mitden Geschlechtern bedeutet. Die griechische Gemeinde heißt eigentlich DesinoS.
8. Ein Zug heiterer Ironie gegen Pla'to, wie er dem ernsten AristockeleSso wohl steht.