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Aristoteles, Politik.
die freien Arbeiter Tugend besitzen müssen. Denn es kommt oft vor,daß sie aus Liederlichkeit ihre Arbeiten vernachlässigen. Oderhaben wir hier einen ganz verschiedenen Fall? Nun lebt derSklave in steter Geineinschaft mit seinen: Herrn, der Arbeiteraber steht ihn: ferner, und seine Tugend richtet sich nach seinemAbhiingigkeitsverhältnisse. Denn der niedere Arbeiter ist nur ineinen: beschränkteren Sinne ein Sklave zu nennen. Auch ist derSklave ein Geschöpf der Natur, ein Schuster aber durchaus nicht,noch sonst irgend ein Handwerker.
11. Hieraus erhellt, daß es der Herr ist, welcher in demSklaven die für ihn gehörige Tugend weckt, ohne daß er nötig hat,ihn in seinen Verrichtungen systematisch zu unterrichten. Es ist daherein Irrtum, wenn man den: Sklaven die vernünftige Zurechtweisungentziehen und nur den Befehl angewandt wissen will. Der Sklavebedarf vielmehr der vernünftigen Zurechtweisung mehr als die Kinder.Doch möge es bei diesen Erörterungen sein Bewenden haben.
Das Verhältnis aber von Mann und Frau, vom Vater undden Kindern, die Ermittelung der Tugend eines jeden, ihr gegen-seitiger Verkehr, das Schöne und Unschöne in diesen Verhält-nissen, und die Mittel, die man anwendet, um dem einen nach-zutrachten und das andere zu meiden, — dies alles gehört indie Untersuchung über die Staatsverfassungen, woselbst wir werdendarauf zkrückkommen müssen. ^
12. Denn da die gesamte Familie Teil des Staates ist,die genannten Personen aber die Teile der Familie bilden, daferner die Güte des Teils sich nach der Güte des Ganzen richtenmuß, so muß die Erziehung der Frauen und Kinder in stetemHinblick auf die eigentümliche Form des Staates betrieben werden,wenn anders tüchtige Kinder und Frauen ein wichtiges Momentfür die Tüchtigkeit des Staates sind. Sie sind das aber ganznotwendig; denn die Frauen bilden die Hälfte der freien Menschen,und die Kinder nehmen einmal teil an der Regierung.
10. Im Texte steht „Künstler", weil die griechische Sprache fürKunst und Handwerk nur ein und denselben bezeichnenden Ausdruck hat.
11. In den uns erhaltenen Schriften kommt Aristoteles nicht auf diesenGegenstand zurück. Die Bücher, m welchen er ihn ausführte, sind verloren.