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4 (1895) Politik
Entstehung
Seite
111
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Erstes Buch. Fünftes Kapitel. 111

Herrschaft. Deshalb hat auch Homer dem Zeus den schönenBeinamen gegeben:

Vater der Götter und Menschen"

und bezeichnet ihn damit als König aller dieser Wesen. Denn einKönig muß von der Natur unbestreitbare Vorzüge besitzen, obschoner von demselben Stamme ist wie seine Untergebenen, und in dem-selben Verhältnis befindet sich das Alter zur Jugend und der Vaterzu dem Kinde.

3. Es ist nun offenbar das thätige Streben der Hauswirt-schaft mehr auf die Menschen, als auf den leblosen Besitz, und mehrauf die Trefflichkeit der ersteren, als aufdie Fülle des letzteren, die wirReichtum nennen, und mehr auf die Trefflichkeit der Freien, als aufdie der Sklaven gerichtet. Und da stellt sich bei den Sklaven zunächstdas Bedenken ein, ob ein Sklave, außer seiner Brauchbarkeit alsWerkzeug und Diener, noch andere, edlere Eigenschaften, wie Maß,Tapferkeit und Gerechtigkeit und andere derartige Eigenschaften habenkönne, oder ob er außer seiner Brauchbarkeit für persönliche Dienst-leistungen weiter keine Tugend besitze. Die Antwort hierauf ist aufbeiden Seiten nicht ohne Bedenken. Denn in: Falle der Bejahungentsteht die Frage, wodurch sich der Sklave denn noch von dem Freienunterscheiden wird? Gibt man aber eine verneinende Antwort, so er-scheint dieselbe, in Erwägung daß die Sklaven doch Menschen sindund an der Vernunft Anteil haben, widersinnig. 4. Fast dieselbeSchwierigkeit erhebt sich bei Frau und Kind in der Frage, ob auchdiese Tugenden besitzen, und ob die Frau mäßig, tapfer und gerechtsein müsset und ob ein Knabe ebensowohl unbändig als gesittetsei oder nicht. Kurz, es kommt überhaupt darauf an zu untersuchen:haben die, von Natur Herrschenden dieselben oder andere Tugenden,als die, welche von Natur im Stande der Gehorchenden sind? Dennwenn vollendete sittliche Bildung beiden zufallen soll, warum solldann nur der eine ein für allemal herrschen, der andere aber nicht?Auch läuft doch der Unterschied zwischen beiden nicht auf ein Mehroder Weniger hinaus; denn zwischen Herrschen und Gehorchen ist

4. D. h. ob die Erwerbung dieser Tugenden Aufgabe (Sei) für sie ist.