Druckschrift 
4 (1895) Politik
Entstehung
Seite
99
Einzelbild herunterladen
 

Erstes Buch. Drittes Kapitel.

99

Ernährung auch eine Verschiedenheit in die Lebensweisen der leben-digen Geschöpfe gebracht. So leben von den wilden Tieren einigein Herden, andere vereinzelt, je nachdem es für ihre Ernährung paßt,da einige Fleischfresser sind, andere sich von Früchten nähren, noch an-dere alles ohne Unterschied verzehren. Und so hat die Natur zur leich-teren Gewinnung ihrer Nahrung, sowie der getroffenen Wahldersel-ben gemäß, ihre Lebensweisen gesondert. Nun liebt auch von Naturnicht jedes Geschöpf dieselbe Nahrung, sondern es zieht das einediese, das andere jene vor, wodurch natürlich eine Verschiedenheit indie Lebensweisen der Fleisch fressenden und Vegetabilien fressendenauch unter einander kommt.

4. Mit den Menschen ist es nicht anders; auch ihre Lebens-weisen find überaus verschieden. Die trägsten sind Nomaden, die ihrenUnterhalt von den zahmen Tieren ohne Arbeit in Gemächlichkeit ent-nehmen, und die, sobald es wegen der Weide ihren Herden not thut,den Ort zu wechseln, alsdann mit ihnen zu ziehen genötigt find, undso an ihnen gleichsam ein bewegliches Ackerfeld haben. Andere lebenvon der Jagd, und zwar in sehr verschiedener Weise, die einen z. B.vom Seeraube, die anderen vom Fischfänge, soviel ihrer an Seen,Sümpfen und Flüssen oder an dazu geeigneten Seelüften wohnen;noch andere von der Jagd der Vögel oder der wilden Tiere. Dergrößte Teil der Menschen aber lebt von: Ackerbaus und von veredel-ten Früchten. 5. Dies sind nun etwa die Lebensweisen derjenigen,die von den unmittelbaren Erzeugnissen der Natur sich ihre Nahrungerarbeiten und nicht durch Tausch und Handelsverkehr sich die Mit-tel zum Unterhalte verschaffen: Nomadenleben, Ackerbau, Seeraub,Fischfang, Jagd. Auch verbinden einige zum Zwecke eines angenehmenLebens diese Erwerbszweige und verstehen dem entschieden hervor-tretenden Mangel, da wo es gerade an der Auskömmlichkeit fehlt, durchErgänzung abzuhelfen, wie z. B. einige Nomadenleben mit Seeraub,andere Ackerbau mit Jagd verbinden. Und so ist's auch mit den an-deren Lebensweisen, welche, je nachdem das Bedürfnis es erheischt,von den Menschen gewählt werden.

6. Hier haben wir nun eine Art von Erwerb, die als ein Ge-schenk der Natur allen Geschöpfen' verliehen zu sein scheint, nicht nurvon dem ersten Augenblicke nach ihrer Entstehung, sondern auch nach