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4 (1895) Politik
Entstehung
Seite
93
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Erstes Buch. Zweites Kapitel. 93

zu erkennen ist, als die körperliche Schönheit. Erwiesen also istder Satz: Es gibt Menschen, die von Natur frei, und andere, dievon Natur Sklaven sind, bei denen Interesse und Gerechtigkeit diesenSklavenstand rechtfertigt.

16. Daß indessen auch die Verteidiger des Gegenteils ingewisser Hinsicht das Richtige treffen, ist leicht einzusehen. Es kommennämlich die Ausdrücke Sklave sein und Sklave in doppelterBedeutung vor. Es ist jemand nämlich auch Sklave nach dem Gesetzund dient als solcher. Näher ist dies Gesetz eine Art Übereinkunft,nach welcher das im Kriege Überwundene Eigentum des Über-winders sein soll. Gegen dies solchergestalt erwachsene Recht abererheben nun viele Nechtsphilosophen jene Anklage der Gesetzesüber-tretung*", wie man sie gegen einen Redner erhebt, weil es dochschrecklich sei, wenn dem, der zu überwältigen fähig und der demKraftvermögen nach der stärkere sei, das Überwältigte als Sklaveund ünterthan anheimfallen solle. Und diese Verschiedenheit derMeinungen findet sich selbst unter den Philosophen.

17 und 18. Der Grund dieses Zwiespaltes und dieser Ab-weichung der Ansichten liegt darin, daß eine Tüchtigkeit, wenn sie sichmit Mitteln zum Erfolge ausrüsten kann, in gewisser Hinsicht auchvorzugsweise zu überwältigen im stände ist und sich an das siegendeElement auch immer ei» Überschuß von Trefflichkeit knüpft, wonachsich also zu ergeben scheint, daß die Gewalt nicht ohne eine Tugendsei, mithin der Streit vielmehr nur den Nechtspunkt betreffe. Denndeshalb eben halten die einen das Gerechte für ein Wohlwollen **,

10. D. h. Sie halten eS im tiefsten Grunde für ein Unrecht.In dieser geistreichen Stilwendung hat Aristoteles ein Verfahren in demattischen Staatsleben im Sinne, nach welchem ein jeder Athener befugtwar, die sogenannteKlage der Verfassungsverletzung" gegen jedenanzustellen, der eine Maßregel oder einen Vorschlag empfahl, der gegenirgend ein bestehendes Gesetz oder Recht verstieß. Der Gefahr dieserschweren Anklage zu verfallen, waren besonders die Redner ausgesetzt.

11. Ein ganz genaues Verständnis dieser Stelle wird vielleicht niegefunden werden. Die scharfe philologische Analyse ergibt, daß anstattdes WortesWohlwollen" ursprünglich etwas anderes (wie Regierendes oderHerrschendes) gestanden haben muß. Alle drei Ethiken behandeln ausführlich

Kap. sBckk.