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Aristoteles Politik.
bis zu der Empfindung von Lust und Schmerz und bis zu der gegen-seitigen Andeutung dieser Empfindungen durch die Stimme hat sichihre Natur entwickelt. Die Sprache aber ist dazu da, das Nützlicheund das Schädliche zu erkennen zu geben und folglich auch dasGerechte und das Ungerechte.
11. Denn dies ist das eigentümlich Unterscheidende desMenschen von den anderen Tieren, daß er allein ein Gefühl vomGuten und Schlechten, vom Recht und Unrecht und was dem ähnlichist, in sich trägt. Die Gemeinschaftlichkeit dieser Gefühle aberbegründet Familie und Staat. Und in der That ist der Staatseinem innersten Wesen nach früher, als die Familie und jeder ein-zelne von uns. ^ Denn das Ganze muß notwendig früher sein alsder Teil. Mit der Aufhebung des Ganzen nämlich fällt auch Fußund Hand fort und bleibt nur etwa als Nennwort, wie wenn manvon einer steinernen Hand redet, denn eine solche wird nur noch einetote sein. Die begriffsmäßige Bezeichnung aller Dinge hängt nämlichdavon ab, ob die in ihnen lebende Bestimmung und ihr Vermögennoch wirksam sind. Sind sie nicht mehr so beschaffen, so darf manauch nicht sagen, daß sie noch dieselben seien; sondern sie sind dasnur noch der Benennung nach.
12. Es ist also einleuchtend, daß der Staat einesteils Natur-produkt, andernteils früher als der einzelne ist. Denn wenn dereinzelne in seiner Isolierung sich nicht selbst genügen kann, so wirddas Gefühl über ihn kommen, daß er, wie die anderen Teile, zu einemGanzen zu gehören habe. Wer aber nicht Glied eines Vereins seinkann oder sich selbst genügend dessen nicht bedarf, ist gar kein
10. Dieser tiefe und wichtige Satz ist nicht von der Zeit zu verstehen,in der freilich die Teile als solche eher erscheinen als das Ganze. SeinemBegriffe, d. h. der Vernunft und Wahrheit nach, aber ist das Ganzeeher als der Teil, geht ihm nach notwendiger Form der innerlichenAnschauung vorher, nach welcher der erscheinende Teil schon sein Ganzesausspricht und immer mehr zu demselben erwächst. Nicht der einzelneund sein Recht, wie die moderne Vorstellung wollte, wird vom Philosophenzum ersten gemacht, sondern der Staat, als allgemeines Leben im Gutenund Gerechten ist das erste. S. Hegel, Vorle>ungen über die Geschichteder Philosophie (Berlin 1833—36) II. 388.