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4 (1895) Politik
Entstehung
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Aristoteles, Politik,

wir heute gar nicht mehr der Demonstration bedürfen. Bei unshat eine Bildung von vielen Jahrhunderten eine Fülle vonVerstandesbewegungen und die hauptsächlichsten Evolutionen derLogik allgemeines Eigentum werden lassen, so daß der abhandelndeStil seinen Gegenstand behandelt, formt und dehnt, ohne ihrerzu bedürfen, ohne sich auf sie zu stützen. Vielmehr wird ausder Art und Weise, wie der Stoff sich unter dem Stil desDarstellenden gestaltet, die logische Bewegung sofort miterkanntund bedarf keiner besonderen Erwähnung, welche heute vielmehrden Pedanten und seine Langweiligkeit verrät. Aber bei demVater der abhandelnden Prosa sind diese Verstandesbewegungennoch neu; es ist noch nicht lange her, daß sie entdeckt wurden,und da die Dinge nicht gründlich genug bewiesen werden können,so sind jene es, deren Schutz und Schirm sich der Darstellendenicht gern begibt. Daher sind sie denn in Fülle eingewebt,überwuchern den Gegenstand und erzeugen eine Üppigkeit, welcheden Übersetzer oft in Verlegenheit setzt.

Bei allen diesen Mängeln ist aber Aristoteles' Schreibartdoch nicht ohne Reize. Er hat oft sehr geistreiche und energischeBezeichnungsweisen. Zwar ist die durch solche Worte erzeugteWirkung nicht wie in unserer heutigen darin bis zur Koketterieausgebildeten Prosa künstlich vorbereitet; aber dafür tritt dasWort oft plötzlich herein, wie ein, Gast, den man nicht eingeladenhat, den aber, wenn er die Thür öffnet, die ganze Gesellschaftmit Händeklatschen empfängt. Sodann steht man beim Lesen derUrsprache unter dem Gefühl, daß dieser Mann in der Spracheund in den Begriffen lebt. Selbst in der Auseinandersetzungder gewöhnlichsten Dinge bemerkt man immer den Logiker, zu-weilen auch den Grammatiker? Daher die Schärfe in denUnterschieden, das Fesselnde und Geistreiche in den Folgerungen.Wenn es irgend thunlich, so sucht er bei wichtigen Fragen denfraglichen Gegenständen durch einen logischen Schluß beizukommen.Dieser von ihm gezogene Schluß ist für ihn entscheidend. Hier

6 Politik VII, I; 5.