Einleitung. Zweites Kapitel.
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Die Darstellung der Politik ist ernst und würdig, aber siehat erhebliche Mängel, unter welchen folgende am meisten indie Augen fallen. Während die Komposition des ganzen Werkestrefflich ist, stellen sich die kleineren Abschnitte, diese kleinerenGanzen in dem großen, nicht immer deutlich heraus. Es fehltder Erörterung nicht selten an Klarheit und Durchsichtigkeit.Die stilistische Bewegung ist kein ruhiges Fließen, sondern gehtruckweise und in Sprüngen vor sich. Statt ebenmäßig entwickeltund auseinander gebreitet zu sein, ist das Ergebnis mancherUntersuchungen wie in einen Knäuel zusammengeballt, und nichtselten wird in ihnen Widerlegung und Beweisführung durch-einandergeworfen. An anderen Stellen gehört die ganze logischeund ergänzende Kraft des Lesers dazu, unter den wichtigen, abernur hart neben einander gestellten Behauptungen die einen vonden anderen abzuleiten, während an anderen die leichtesten Dingemit mühsamer Ausführlichkeit bewiesen werden. Im Gegensatzdazu wiederholt sich der Darsteller zu oft und erinnert wiederund immer wieder an Dinge, die der Leser erst vor kurzem ver-nommen hat und noch gar nicht vergessen haben kann. FürLehrvorträge, an welche man bei dieser und bei anderen Gelegen-heiten unwillkürlich erinnert wird, ist das ein humanes undnützliches Verfahren; in dem abhandelnden Stil ist es ein Mangel.Aristoteles scheint übrigens selbst ein Bewußtsein davon gehabtzu haben, daß sein Stil manches vermissen lasse, denn er gestehtder Rede des Pla'ton eine geistreiche Eleganz zu.b Er hat dasGefühl, daß ihm der Schwung seines großen Lehrers abgeht,aber er deutet an, daß er dafür dem Wesen und der Wahrheitder Sache näher stehe als jener. Durch die ganze Darstellungaber zieht sich ein Hauptmangel hindurch, und dieser ist amschwersten zu bezeichnen. Er besteht in einem den ganzen Stilbeherrschenden, für den heutigen Leser lästigen Übergewicht desformalen logischen Elements, das sich auch da geltend macht, wo
5. Politik II, 3.