Druckschrift 
4 (1895) Politik
Entstehung
Seite
70
Einzelbild herunterladen
 

70

Aristoteles, Politik.

in welchem Aristokratie, Politie und Vollkönigtum, diese bestenexistierenden Verfassungen nicht erwähnt werden können mitder Erziehung" das ganze Werk ab. Dies ist der dritte Teil;er wird durch die beiden ersten vorbereitet, die gewissermaßen zuihm hinanstreben.

Zn dem ersten Teile nämlich, dem eigentlich spekulativen,handelt es sich, nachdem der Staatsbegriff entwickelt, ist, darum,das eigentliche Gebiet der Politik zu finden. Dies geschieht durchscharfe Abgrenzung derselben von anderen verwandten Gebieten.Der Staat ist der ideelle Grund des Familienverhältnisses undder Gemeinden, welchen er in der Priorität seines Begriffes vor-ausgeht und aus deren noch unfreiem Leben er sich zu demDasein der vollkommenen Freiheit, Selbständigkeit und Sittlich-keit entwickelt. Die Politik ist daher zu scheiden von der Haus-wirtschaft (Ökono'mik), und die politische Gewalt ist eine wesentlichandere, als die monarchische des Hausherrn in der Familie; sieist nämlich eine Herrschaft über Freie und Gleiche. Es ist einesder größten Verdienste des Aristoteles, daß er trotz des innigenZusammenhanges zwischen Staat und Familie, in welcher letzterener ein Element des ersteren sehr wohl erkennt, die Scheidungdes Staats- und Familiengebiets auf das schärfste vollzieht. Durchdiese Scheidung gewinnt er für den Staat das in alles Heilführende Prinzip der Freiheit, welches diejenigen nicht findenkönnen, die den Staat nur als erweiterte Familie ansehen. Wierichtig er hierin gedacht, das haben wir Deutsche in diesem Jahr-hundert bei der versuchten Wiedereinführung patriarchalischer Ein-richtungen in das Staatsleben erfahren. Die Freiheit der Bürgerruht aber auf der Unfreiheit der dienenden zum Staate nicht ge-hörenden Klasse denn nicht alles, was zum Bestehen einesandern unentbehrlich ist, ist nach Aristoteles' wiederholt ausge-sprochener Erinnerung auch darum schon Element dieses andernund darum erörtert er ausführlich das rechtliche Verhältnis derSklaven. Aber ein Element von etwas ist der Sklave aller-dings, und dieses Etwas ist das Haus; daher denn aus diesem