Einleitung. Erstes Kapitel.
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sonst für nichts geschaffen. Ja, wenn überhaupt die Frage nachder Zeit hier aufgeworfen werden soll, so muß vielmehr behauptetwerden: Der Staat ist seinem innersten Wesen nach früher, alsdie Familie und jeder einzelne von uns. Denn das Ganzemuß notwendig früher sein, als der Teil. Mit der Aufhebungdes Ganzen nämlich, setzt Aristoteles erläuternd hinzu, würde jaauch Fuß und Hand wegfallen und nur etwa als Nennwortübrigbleiben, wie wenn man von einer steinernen Hand redete.Und eine solche würde etwas Unnatürliches sein. Denn diebegriffsmäßige Bezeichnung aller Dinge hängt davon ab, d. h.man ist nur dann sicher, die Dinge begriffsmäßig zu bezeichnenwie man soll, wenn die in ihnen waltenden Eigenschaften nochleben, wenn ihr Vermögen noch wirksam ist. Ist das nicht mehrder Fall, so kann man auch nicht sagen, daß sie noch dieselbenseien, sondern sie sind dies nur noch der Benennung nach.Man sieht, es sind vorzugsweise logische Hilfsmittel, deren sichder Philosoph bedient, um die Wahrheit seines großen Satzeseingänglich zu machen. Sollte jemand sich nicht gleich in denAusspruch finden können, der möge bedenken, daß es sich hiernicht von der sinnlichen Wahrnehmung in der Zeit handelt, inwelcher es allerdings so aussieht, als ob die Teile als solcheeher erschienen als das Ganze. Seinem Begriffe, das heißtder Vernunft und Wahrheit nach, ist das Ganze eher als derTeil, geht ihm als unerläßliche Bedingung in der Form unsererinnerlichen Anschauung vorher, nach welcher der erscheinende Teilschon auf sein Ganzes hinweist und immer mehr zu ihm erwächst.Man trete in die Werkstatt eines Bildhauers und sehe die nochin Marmor schlafende Gestalt, und man wird das Verständnishaben. Dieser letzte Zweck des Menschen, entwickelt der Philosophweiter, sowie seine eigentliche Natur, nach der er ein staatlichesWesen, ein „politisches Geschöpf" ist, erklärt auch bei ihm denlebhaften Trieb der Geselligkeit. Dieser Trieb ist ihm eingeboren,und er allein würde, auch wenn gar kein äußerlicher Grund,wie das Bedürfnis gegenseitiger Hilfsleistung vorhanden wäre.