Druckschrift 
Pfalzgraf Friederich Michael von Zweibrücken und das Tagebuch seiner Reise nach Italien
Seite
96
Einzelbild herunterladen
 

96

Romulus, dererste Erbauer.

Raub derSabinischenWeiber.

beide Brüder beschlossen, eine neue Stadt zu Behuf ihrerbei sich habenden getreuen Mannschaft zu erbauen. Esentstund indessen wegen Anlage des Orts zwischen den-selben ein heftiger Streit und beiderseits eine große Nieder-lage, in welcher Remns geblieben, worauf dann Romulusim 18. Jahre seines Alters und 753 vor Christi Geburtzu dieser künftigen Weltbeherrscherin den ersten Grund zulegen den Anfang machte. Er spannte einen Ochsen undeine Kuh zusammen vor einen Pflug, zog um den so-genannten Berg Palatium in das Viereck eine Furche,welche der Umfang der Mauern sein sollte, gab sofortderselben den Namen Uomg, welches der griechischen Be-deutung nach „Stärke" heißt. Dazumalen belief sich dieAnzahl seiner Bürger auf 3000 zu Fuß und 300 zuPferde, welche den Grund zu einem so großen Reiche undso unsterblichen Thaten legen mußten.

Indem nun die Zahl der streitbaren Römer täglichmehr anwuchs, dachte Romulus ans Mittel, seine unter-gebene Soldateska auch mit Weibern zu versehen, welcheszu bewerkstelligen ohne besondere List allerdings unmöglichwar. Er erfand desfalls ein über die maßen seltsamesSchauspiel, zu welchem die benachbarten Sabiner auf dasFreundlichste eingeladen wurden. Kaum war solches zuEnde, so raubten die Römer alle dabei eingefundenenFrauen und führten dieselben mit nach Haus, worauf dieSabinischen Männer, mit Rache angestammt, in großerMacht die Römer anznfallen sich nicht säumten, und einbeiderseits hitziger Kampf entstund. Die entführten Weiberaber, welche indessen durch den neuen Liebeswechsel gänzlicheingenommen, ihre vorigen Männer bereits vergessenhatten, liefen mit fliegenden Haaren und beweglichstemZetergeschrei mitten unter die streitenden Parteien, welchedann durch die zarten Thräuen, als derselben gegen dieMänner stärkste Waffen, gleichsam überwunden dem tät-lichen Kampf ein Ende und ans dem Wahlplatz den Friedenmachten.

Romuli Regierungswesen war übrigens weise undtapfer. Unter anderen Gesetzen statuierte er auch folgende,