Druckschrift 
Pfalzgraf Friederich Michael von Zweibrücken und das Tagebuch seiner Reise nach Italien
Seite
55
Einzelbild herunterladen
 

55

und mehrenteils von Konstantinopel hieher transportiertworden ist. Die wichtigsten und ansehnlichsten Stücke des-selben waren ein Granat in Form eines Gefäßes, welchesacht Zoll tief und ebenso viel im Durchschnitt hat; eingroßer Saphir von zehn Unzen; die zwei Kronen vonCandien und Cypern; zwölf Brnstkleider von Gold mitPerlen besetzt nebst zwölf Hauptzieraten, welches dieDamen der Kaiserin Helena bei großen Festen sollen ge-tragen haben, deren letztere wenigstens eine fünf Pfundschwer. Sothane zwar goldene Last muß gleichwohl demschönen Frauenzimmer sehr ungemächlich gefallen sein.Unter allen war meines Erachtens das merkwürdigste dieMütze des Dogen, welche wegen der Menge der auserlesenstenEdelgesteine und Juwelen von unsäglichem Werte ist. Dieungemeine Anzahl der übrigen Kleinodien, welche wegengar zu kurzer Zeit zu bemerken unmöglich gewesen, kannich nicht anders, als mit Stillschweigen übergehen, findejedoch nicht, daß dieser Schatz der mir beschehenen Er-zählung gemäß von so ausnehmendem Vorzug sei.

Der Palast des Dogen, gegen das Meer zu, ist anArchitektur sehr vortrefflich und liegt derselbe auf demBroglio am Hafen mit dem angenehmsten Prospekt. DieZimmer sind in dem oberen Teil und sehr geraum, hochund wohlgetäfelt, aber finster, lla gran Lala, worin dergroße Rat gehalten wird, ist von übermäßiger Extensionund mit den schönsten Malereien ansgeziert, welche be-stehen in Eroberung Konstantinopels, der Geschichte desPapstes Alexandri mit Kaiser Friederich. Unter dem be-deckten inwendigen Gange an verschiedenen Orten befindensich einige metallene Tierschnauzen, in deren Rachen jeder,was er zum Vorteil oder Schaden des Staates zu produ-zieren weiß, hineinwerfen kann und die genannt werdenOenuntie secrete.

Die Architektur dieses Palastes in dem Hofe nebstden Stiegen ist besonders ansehnlich.

Die Bibliothek ist unter der Obsicht des HerrnSanetti, eines sehr vernünftigen, angenehmen und ge-lehrten Mannes, wovon die Ordnung und schöne Ein-

Palastdes Dogen.

Bibliothek.