Druckschrift 
Pfalzgraf Friederich Michael von Zweibrücken und das Tagebuch seiner Reise nach Italien
Seite
42
Einzelbild herunterladen
 

42

Lebensordnung.

Beschaffenheitder italienischenJalousie.

Banditen.

sind lauter Esel und wtsseu von nichts, als Ueppigkeit undWohlleben, welches auch wahrhaftig gemäß der Lebens-ordnung, welche da geführt wird, sich dem also befindet:Früh morgens um 9 auch 10 Uhr sieht man vom Bettauf, welches sogar bei den Handwerkslenten nichts neues.Nach eingenommenem Kaffee oder Chocolat verfügt mansich auf den Uia/^a cli 8. iVlarco, von da in die Redonteoder Spielhaus, wovon an seinem Ort ein mehreres. Um2 oder halb 3 Uhr sitzt man zu Tische. Hernach geht esin die Gesellschaft. Gegen Abend wiederum auf denoder in die Redoute, endlich zur Opera, welchemehrenteils bis 12 Uhr dauert. Nach dessen Endigungspeist man zu Nacht und kommt selten vor 2 Uhr schlafen.

Das Frauenzimmer ist vermöge allgemeiner Bekräftig-ung über die maßen galant.

Auch findet das Prädikat der so berufenen italienischenEifersucht seine gewisse Wahrheit, und ich wollte in derThat keinem raten, sich bei einem Frauenzimmer als Neben-buhler antreffen zu lassen, maßen derselbe richtig durchdas Stilet oder Terzcrol sothanen Frevel büßen müßte.Welches um so gefährlicher, als der rachgierige Italienerbesonders in dergleichen Affairen seinem Feinde fast nie-malen unter die Angen geht, sondern sich der heimlichenBanditen oder sogenannten Bravi, welche den unglückseligVerliebten aus dem Wege zu räumen verschiedene Mittelwissen, durchgehends gebraucht. Mein Gondolier hat mirauf der Promenade einige von diesen feinen Burschen ge-zeigt. Dieselben dürfen zwar nicht öffentlich sich zu er-kennen geben, jedoch werden deren wenige sein, welchenicht von einem oder dem anderen Nobile Protektionhaben.

Hingegen ist der Zustand des ledigen Frauenzimmers,recht zu sagen, für eine beständige Sklaverei zu halten,angesehen dieselben allerdings ihre ganze Jugend im Klosterzubringen müssen, ohne daß sie jemalen mit einem Manne,ja sogar ihren nächsten Freunden sprechen dürfen. Damitsie nun einer solch immerwährenden Gefangenschaft befreitwerden, ist es ihnen gar leicht, in ein Eheverlöbnis ein-