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Richard Wagner und die deutsche Sage
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süchtig und verlangend und rang mit der Gestaltung des höchstenKünstlerideals, das in seiner Seele noch formlos lebte und webte.

Was ist das höchste Ziel menschlichen Ringens, was giebtdem dürstenden Menschengeiste Erquickung, was der mit Erden-noth und inneren Leidenschaften kämpfenden Seele Befreiung,Erlösung und Befriedigung, wo ruht der Mensch aus inalle Ewigkeit?" so fragte er sich selbst, in Nachdenken versunken.Und wie eine Luftspiegelung der Fata Morgana dem Irrendenin der Wüste, oder dem ziellos auf dem weiten Meere Dahin-fahrenden, so stieg, von magischem Lichte beleuchtet, plötzlichvor seinen Augen ein strahlender Wundertempel hernieder,funkelnd von Gold und Edelsteinen, aus dessen Innerem einüberirdischer, beseligender Glanz ansging, Kraft und Genesungbringend dem im Anschau'n Versunkenen.

Es heißt der Gral!" so tönte es dem Meister mit seineneigenen Klängen aus seinem Lohengrin ins verzückte Ohr undaus wunderbarem Duft und Schall wob er sein höchstes undvollendetstes Werk, seinen Schwanengesang, seinenParsifal".

Der in Waldeseinsamkeit in echt deutscher Sitteneinfaltund Weltunkenntniß ausgewachseneblöde Thor", wie ihnWolfram v. Eschenbachs tiefsinniges Epos uns so anmuthendschildert, sein Irren und Suchen nach dem höchsten Heile, seineendliche Befriedigung in tiefreligiöser Hingabe an den Inbegriffdes Heiligsten und Göttlichsten in Töne zu gießen, die jedesfühlenden Menschen Seele bis in die innersten Fibern erzitternmachen sollten, das war des Tondichters höchste und idealsteAufgabe für die nächste Zukunft.

Anlehnend an die Legende von Josef von Arimathia hat dieheilige Lanze in Wagners Parsifal eine tiefsinnige Bedeutung.Dieselbe war dem Gralshüter Anfortas, als er sein Herz dersinnlichen Liebe zuwandte, von dem Zauberer Klingsor entwundenworden und seit der Zeit siecht er an einer unheilbaren Wunde.

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