34
Berging wie ein Hauch der Götter Geschlecht,
Laß ohne Walter die Welt ich zurück.
Meines heiligsten Wissens Hort weis' ich der Welt nun zu;
Nicht Gut, nicht Gold, nicht göttliche Pracht,
Nicht Haus, nicht Hof, nicht herrischer Prunk,
Nicht trüber Verträge trügender Bund,
Noch heuchelnder Sitte hartes Gesetz, —
Selig in Lust und Leid läßt die — Liebe nur sein! —
Eine gewisse Verwandtschaft mit dieser Nibelungenkompo-sition hat ein anderer Stoff, den Wagner ungefähr gleichzeitigbehandelte, — es ist die Sage von Tristan und Isolde,Auch in ihr spielt ursprünglich ein Liebestrank eine große Rolle;doch hat der Meister ihn ersetzt durch eine wirkliche sofort beider ersten Begegnung entbrennende heftige gegenseitige Leiden-schaft. Auch hier soll der Held dem Freunde die Braut Zu-fuhren, die das Schicksal ihm selbst bestimmt hatte. Das Haupt-moment liegt hier in der verzehrenden Liebesqual und dem da-durch unausbleiblichen Tode. Ungemein wirkungsvoll ist dasMotiv des Schweigens hier vertieft, jene stumme, höchste Be-redsamkeit, wogegen jeder Aufschrei schwaches Lallen ist. DasSujet, bekanntlich von Gottfried von Straßburg sinnebestrickendbehandelt, hat im Original seine ästhetischen Bedenken.
Die künstlerische Vollendung Wagners war mit den letzt-genannten Werken zur Reife gediehen, wie auch sein Leben einenRuhepunkt fand.
Inzwischen hatte er nämlich für das Blühen und Gedeihenseiner Kunst im hochgebildeten, leider so traurig dahingeschie-denen König Ludwig von Bayern einen mächtigen Gönnerund Beschirmer gefunden. In seinem siebzehnten Lebensjahreharte dieser als Kronprinz zum ersten Male den Lohengrin ge-hört und war darüber in solche Ekstase gerathen, daß er dasfeierliche Gelübde ablegte, sobald er den Thron bestiegen, demSchöpfer dieses Werkes hülfreich die Hand zu reichen.
( 706 )