Druckschrift 
Richard Wagner und die deutsche Sage
Entstehung
Seite
17
Einzelbild herunterladen
 

17

zwischen Heinrich von Ofterdingen und dem Zauberer Klingsorans Ungarn in Verbindung mit einer anderen echtdentschenSage, dem Lohengrin. Damit that sich vor den erstauntenBlicken unseres Künstlers eine neue, nie geahnte und gekannteund doch so heimische Welt auf. Und so hatte Frau Saga,seine erkorene Muse und Göttin, den Vorhang gelüftet und instrahlender Zanberpracht ein verborgenes Wunderland enthüllt.Und dieses Wunderland, es war seine liebe Heimath. Dazog es ihn mit unwiderstehlicher Gewalt ins theure Vaterland.Wie ein Verbannter, wie ein Gefangengewesener und jetztBefreiter kehrte er, 29 Jahre alt, im April 1842 zurück.Thranen der Rührung entquollen ihm, als er zum erstenmaleden Vater Rhein sah, sehnsüchtig breitete er seine Arme ans,wie einst die 10 000 Griechen beim Anblick des Meeres, dassie mit dem frohlockenden RufeThalatta" begrüßten. Er-schüttert und selig ergriffen rief er aus:O Vater Rhein, hier-an deinen grünen deutschen Wogen schwöre ich armer Künstlermeinein Vaterlande ewige TreueI" Und diese Treue, er hatsie redlich gehalten.

Ob wohl auch der junge Künstler damals schon demWellengesang der Rheintöchter lauschte und das verführerischeRheingold aus der Tiefe leuchten sah?! Gewiß ist, daß erim Thüringerwalde die im Sonnenlicht strahlenden Zinnen derWartburg mit bedeutungsvollem Blick begrüßte, und in feinemGeist wohl schon die Melodie des Pilgerchors ertönte:

Beglückt darf nun dich, o Heimath, ich schauen,

Und grüßen froh deine lieblichen Auen:

Nun laß ich ruh'n den Wandcrstab . . .

Mit der Aufführung desRienzi" an der Dresdener Hof-bllhne hatte Wagner die Grenze seiner Leiden erreicht. EtwasUnerhörtes, nie Dagewesenes ereignete sich am 20. Oktober1842. Mit athemloser Spannung lauschte das Publikum volle

Sammlung. N. F. III. S8. 2 >6Zg)