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Richard Wagner und die deutsche Sage
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Stolz aber an der Seite seiner göttlichen Braut hältder Königssohn seinen Triumphzug in die strahlenden HallenundPauken und Trompeten huld'gen seiner jungen Herr-lichkeit".

Und wer war der kühne Erlöser? Siegfried war es,der Göttersprosse mit dem leuchtenden Sonnenblick, wir abernennen ihn aus den Märchengebilden heraustretend, RichardWagner, die von ihm erlöste Braut, die deutsche Sage.

Ja, auch die deutsche Sage, die erhabene Göttin, lag ge-bannt in tödtlichem Schlummer und harrte des Helden, der sicerwecken sollte. Fremde Götter aus Hellas und Rom, wohlVerehrungswerth ob ihrer Anmuth und Formenschönheit, wurdenauf den einheimischen Altären und in den vaterländischen Kunsttempeln gepriesen und verherrlicht, französische und italienischeArien ans unseren Bühnen getrillert und nachgeäfft, als ob derdeutsche Geist und die deutsche Kunst so baar aller eigenartigenGedanken, so arm der einheimischen Schönheitsideale gewesen.Wohl hatten es kühne und patriotisch gesinnte Geister versucht,den Wall zu durchbrechen und die göttliche Maid zu beleben, wieKlopstock für die deutsche Mythologie, aber sie waren entwederin den Dornen hängen geblieben, gleich jenem Märchenprinzcn, oder sie waren auf halbem Wege stehen geblieben. Nochwar der rechte nicht gekommen, noch fehlte der Meister, der be-rufene Held,der das Fürchten nicht kannte", und mit seinemZauberstab eine versunkene Welt zu neuem Dasein rief.

Ein solcher Zauberer, ein solcher gottbegnadete Sänger undMeister war Richard Wagner, von ewiger Jugendfrische undunversieglicher Schaffensfreude, getroffen ans dem Gipfel seinerkünstlerischen Laufbahn von dein Fürsten der Finsterniß, der wieSiegfried trinkend am Borne des Lebens hinterlistig von demeinäugigen Hagen, auch einem Vertreter der unheimlichen Geisterder Nibelungen, durchbohrt ward.

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