I Ä^it dem Wiedererwachen der Wissenschaften und Künste,welche fast ein ganzes Jahrtausend hindurch in einem todes-lihnlichen Schlummer befangen darniederlagen, brach auch für die1 botanische Wissenschaft im Laufe des sechzehnten Jahrhundertsdurch die erfolgreichen Arbeiten der deutschen Väter der Botanik,welche sich in kühnem Sprunge über die Haarspaltereien schola-stischer Schulweisheit hinweggesetzt hatten, ein neues glückver-heißendes Zeitalter an. Das so lange darniedergehaltene undnun endlich seiner Fesseln entledigte Naturgefühl begann in kurzerZeit tiefe Wurzeln zu schlagen, und die Freude an den bisherunbeachtet gewesenen und nun in ihrer ganzen Schönheit wieder-erkannten Schätzen des heimischen Bodens entfachte nun denSammeleifer, welcher seine Wirkungen in der überraschendenBereicherung des wissenschaftlichen Arbeitsstoffes, namentlich beigrößeren Forschungsreisen in die neuentdeckten Welttheile, inhohem Maße äußerte. Auf diese Weise häuften sich die neu-cntdcckten Pflanzenarten in solcher Fülle auf, daß eine Uebersichtüber dieselbe bald zur Unmöglichkeit gemacht war. Die Wissen-schaft, welche bislang ihre Aufgabe einzig und allein in derBeschreibung der einzelnen Pflanzen und in der Untersuchungihrer Nutzbarkeit für den Arzneigebrauch gefunden hatte, erblicktenun ein neues Ziel für ihre Bestrebungen in der Erreichungeiner möglichst umfassenden Uebersicht über den gewonnenenArbeitsstoff durch die Aufstellung zweckmäßiger Pflanzensysteme.
Sammlung. N. F. III. 6«. (L» 1 )