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Auf der Sierra Neváda de Mérida
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nur in geringem Grade oder auch gar nicht fühlbar; bekanntaber ist allen kundigen Bergsteigern, daß jene Uebel viel heftigerund beschleunigter auftreten, wenn Schnee auf den Bergen liegt,und um fo heftiger, je unbewegter die Luft, je ausgedehnterdie Schneefläche und je kraftvoller das Sonnenlicht. DieAudesbewohner nennen die Einwirkungen, welche die Höhen-krankheit Hervorrufen, Soroche (Sorotsche), ein Ausdruck, derden Minenarbeitern entnommen ist, welche damit die Ein-wirkungen der unterirdischen Ausdünstungen auf den Organis-mus bezeichen wollen, also eine Andeutung, daß beide Leidenverwandte Symptome und vielleicht auch ähnliche Ursachenzeigen. Mehr Berechtigung aber dürfte die Annahme haben,daß der Schnee unter den heißen Sonnenstrahlen bei verdünnterAtmosphäre eine der Athmung nachtheilige Luft entbindet.

Nun aber widersteht die indianische Faser in dem wackerenAntonio nicht länger mehr aller der wachsenden Unbill; obauch voll strotzender Kraft und Gesundheit, zeigt er sich dochweniger zähe und widerstandsfähig angelegt, als sein weitschwächerer und zarter angelegter weißer Geführte; mit düsterem,verstörtem Blicke schreitet er mechanisch neben diesem her, derselber nicht frei geblieben von Anfechtungen, doch den Kopf nochnicht hängen läßt. Bis dahin begünstigte ein vollkommenheiterer Himmel die Besteigung, und herrliche Umblicke underhabene Eindrücke hielten die Sinne rege, so lange sie nochfähig geblieben zur Aufnahme; nun aber rauchen plötzlichschwarze Dnnstmassen aus der Tiefe herauf, und alsbald liegtdas ganze Gebirge in dichten Nebel gehüllt. Jede Bewegungin dem undurchsichtigen Dunstball ist aufgehoben; schweigendkauern die im Nebel vergrabenen Gesellen ans einen Steinblocknieder; Antonio schließt, von dumpfer Betäubung überwältigt,die Augen. Kaum mag es der Andere über sich gewinnen,seinem treuen Gefährten das Labsal des Schlafes zu rauben;

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