Aern im palmigen Süden stand einst die Wiege desMenschengeschlechts; unter dem wechsellos warmen Himmel nahmes aus der immer offenen Hand der gütigen Natur die erstenMittel der Existenz nnd baute auf dieser und aus den empfan-genen Eindrücken der Kräfte nnd Erscheinungen seiner Umgebungdie Anfänge seiner Gesittung auf, die es dann mit sich nahmauf allen seinen Wanderungen nnd in allen seinen Wandelungen;und so weit es auch allgemach ans seiner Wiege herausgewachsenund hinausgewandert sein mag, bis es sich über das ganze Rundder Erde gelagert, sich den verschiedensten Lebensbedingungenangepaßt und sich selbst in scharf entwickelten Eigenarten undSonderheiten auseinandergeklüftet hat, — das Eine doch bliebzurück an seiner Wiegenstütte: der volle warme Pnlsschlagdes Lebens, der es selbst erzeugt und der alle Lebensadern nurda durchströmt, wo der unvergänglich warme Odem der Natur,ihre immer offene Hand die Erde berührt.
Wo dieser warme Odem nicht fluthet und die freigebigeHand sich kalt und unwirsch schließt, da existirt der Menschund schafft sich ein Leben, darin er traumartig eingesponnendie Reihe seiner Tage durchläuft. Mancher glaubt wohl imTraume zu leben, und die in sich eingesponnene Menschen-und Volksseele mag sich in hohen Thaten und Werken ergehen,— aber Traum ist nicht das aus sich selbst herausquirlendeund alles dnrchquirlende Leben selbst, und die gewaltigsten
Neue Folge. III. 58. (821)