31
dann aber ergreift ihn ein namenlos banges Gefühl des Ver-loren- nnd Verlassenseins; es ist, als hanche der Odem desTodesengels über diese lantlose, geisterhaft berührende, demirdischen Leben entrückte Welt da oben. „Antonio, mein Bruder,ans, ans!" ruft der Geängstete dem Betäubten ins Ohr undrüttelt ihn mit aller Kraft aus dem Scheinschlafe auf; denn einScheinschlaf ist doch jener Zustand nur, ein bewußtloses Hin-dämmcrn mit geschlossenen Angen, aus welchem der Erweckteso schwer nnd unerquickt, wie zuvor, die Augen öffnet. DerRuf selbst blieb freilich wirkungslos, aber das Schütteln nndRütteln riß den Hingesunkenen aus seiner verhängnißvollenLethargie empor, — Gott sei Dank! Und schnell, wie sie sichgeschlossen, zerreißt auch die dunkle Hülle, das Grabtuch, wieder,und strahlend, wie die Sonne, kehrt das lichte Antlitz der Er-rettung zurück.
Lang hingestreckt dehnen sich nun wieder in der klaren,durchsichtigen Ferne die schweren Massen, Hügel und Ketten desmächtigen Gebirges; zarte Licht- nnd Farbentöne umfließen dieUmrisse seines gewaltigen Rumpfes. Unten in fernen, geahntenTiefen athmen die feurigen Tropenlüfte; der dunkle Hochwald-gürtel sangt ihren heißen Odem auf; blasser gleitet der warmeDuft über das Savannengras, um endlich auszurinnen in denkalten, weißen Gletscherglanz. Vom blendenden Sonnenstrahlumflossen, strahlen die weißen Zacken, Bänder, Streifen undSpitzen der wandellosen Eiskrone gleich glitzernden, gefrorenenGießbächen und Stromfällen über das dunkle Geschiebe aus;geisterhaft rieselt der dünne, leichte Luftstrom, ein Hauch ansüberirdischer Welt, über die letzten Erhebungsspitzen des Erdfesten,durch ungemessene Fernen schweift das Auge, endlos dehnt sichder Raum.
Noch sucht das Auge nach einem weiteren Aufgange; dochkeine Stufe, keine Sprosse mehr zum Einsetzen von Händen
(SM