27
»
riesenhafte, schimmernde und flimmernde Gestalt in tausend-gliedriger Beweglichkeit, einen langen, schleppenden Mantelnach sich ziehend, mit reißender Geschwindigkeit auf uns zu;man meint, in ein blutloses, geisterbleiches Antlitz mit wilden,fliegenden Haaren und wallendem Schleier zu sehen, dessenAugen gleich gefrorenen Strahlen bald aus sich heraus, baldin sich hinein leuchten und blitzen; hier durchleuchtet, dort durch-schattet, jetzt verflüchtigt und nun wieder zu festem Körper ver-I dichtet,--so rieseln die beweglichen Glieder und Gewandesfaltenwie gerinnendes Wasser an uns heran, und endlich schlügt derganze Spuk, wie eine brandende Welle, unter betäubendemGerassel und schneidendem Schmerzgefühl über uns zusammen,wahrend die weißen Decken über der Schlucht auseinanderzu-stäuben scheinen.
Es ist klar, diese unholde Erscheinung, halb Geist, halbLeib, ist ein Gespenst, der Berggeist selberI Ein Bild desJammers, zu einer Säule erstarrt, steht Vater Lukas da, undals das grimme Gespenst in seiner Mark und Bein erschütterndenFahrt ihn schneidig-eisig streift und sein Blut gerinnen macht,sinkt er, mit beiden Händen das Gesicht bedeckend, unter flehent-licher Anrufung der heiligen Barbara in die Knie, wie einzusammengeklapptes Taschenmesser. Mit schrillem Angstschreiaber läuft Held Telssphoro unaufhaltsam den Abhang nieder,welchen er eben unter Seufzen und Klagen hinangestiegen, ver-folgt von einer Wolke feiner, schneidender Eiskrystalle, in welcheder Spuk anseinanderstäubt, und die ihn alsbald unserenBlicken entzogen haben.
Nachdem die erste Bestürzung vorüber und Keinem einSchade geschehen ist, findet die räthselhafte Erscheinung alsbaldihre Erklärung; eine Wolke losgelösten und von der heftigenLuftströmung durch die Schlucht getriebenen Schneestaubes, indessen aufgewirbelten, spiegelnden Eiskrystallen Licht und Schatten
csrs)