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Auf der Sierra Neváda de Mérida
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Die liebenswürdige Tugend der Gastfreundschaft findet injenen Tropenländern überall noch eine freie Stätte; im ange-sehenen Patrizierhause/ wie in der bescheidensten Hütte, undgerade hier ohne alle Ausnahme und ungefragt nach Woherund Wohin, wird dem schlichten Wanderer, wie dem reisendenKavalier zuvorkommende und uneigennützige Aufnahme gewährt.Nachdem die gegenseitige Vorstellung vollzogen, genugsam, wiees die höfliche Sitte vorschreibt, nach dem Befinden und Wohl-ergehen gefragt, nach Vater, Mutter, Brüdern, Schwestern undallen kleinen und großen Familiengliedern die sorgfältigstenErkundigungen eingezogen, je nach der Lage der Dinge Glück-wünsche oder Beileid ausgetauscht, die gegenseitige angeknüpfteBekanntschaft in den schmeichelhaftesten Ausdrücken gepriesenund so allen Begrüßungsfeierlichkeiten peinlichst Genüge gethanist, erfolgt endlich der Aufschluß über Zweck und Ziel der Reisemit der Bitte um Gewährung der Herberge; die Männer gebensich alsbald einem zwanglosen, freimüthigen Verkehre hin,während die Frauen die mitgeführten Lebensmittel in Empfangnehmen und zubereiten, freiwillig ans dem eigenen Bedarfs er-gänzend, was an der Mahlzeit fehlt, und wiederum dankbar inAustausch nehmend, was der eigenen Küche abgehen mag.

Jahreszeit und Witterung sind unserer Bergsteignng be-sonders günstig; während sonst und in der Regenzeit fasttäglich alsbald nach den ersten heiteren Vormittagstundenschwere Dunst- und Wolkenmassen die Berge zu verhüllenpflegen, begleitet uns ein reiner blauer Himmel unausgesetztsogar bis zur vorgerückten Tagesstunde. Die durchsichtig-klareLuft erschließt eine herrliche Fernsicht ringsumher, und auch dieStadt Märida liegt unten in der Tiefe offen vor den Augenda, zierlich wie ein in den Fels gemeißeltes Relief. Die Sonnesteht mit uns in derselben Horizontale, jedoch die schrägenStrahlen wirken noch warm und kräftig; immer tiefer geht sie

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