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Auf der Sierra Neváda de Mérida
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nur durch den kalten Luftzug, der durch diese Röhrengänge,wie durch einen Schornstein zieht, etwas aufgetrocknet wird.Dennoch flüchtet sich nicht alles organische Leben aus dieserGrubenluft; Moose und Flechten, au den lichteren Stellen aucheinige bleichsüchtige Farren umspinnen die Wände mit dünnen,blaßgrünen Fäden, und hin und wieder saugt sich an dennassen Thon auch eine Schnecke fest. Zur Regenzeit, wenn dieWolkenschleusen geöffnet sind, mag der Anstieg durch diese Luft-züge nicht gerade zu den Annehmlichkeiten einer Bergfahrt gehören.

Gleichlaufend mit der Höhensteigung ändert sich das um-gebende Pflanzen- und Landschaftsbild; stufenweise treten andereTypen und Formen der Gewächse auf, die Temperatur kühltsich ab, der Licht- und Farbenton in der Luft wird ein anderer,und wechselt der gestimmte Naturcharakter von Stufe zu Stufebergauf, anfangs minder schroff, dann schroffer und schroffer,je mehr die Erhebung über die Thalsohle zunimmt. So drängtsich unter dem äquatorialen Himmel bei senkrechter Aufsteigungdie ganze Horizontalbreite eines halben Erddurchmessers mitihren physischen Kräften und Erscheinungen in einer kurzen Zeit-und Raumspanne von wenigen Wegestunden zusammen.

Fast unvermittelt geht auf der Sierra Nevada der Hoch-wald in den Busch- und Staudenwnchs über; dem gleich auchöffnet sich die Umsicht und verbreitert sich die Wegespur, undbald führt der wenig ausgetretene Pfad über sumpfigen Moor-boden, durch sparriges Gebüsch und struppiges Büschelgras.In diesen Bergsavannen finden die Herden eine reiche, dochhartblättrige und saftlose Futterweide, der Ackerbau legt dasPflanzeisen nieder und statt seiner nimmt der Hirte Besitz vonj^der unaufgebrochenen Erde. Nur hin und wieder taucht einei,! einsame Menschenhäusung aus dem einförmigen, meerartig auf-! - und abfluthenden Graugrün der Grasbüschel auf, darüber Wolkenund Nebel ihre phantastisch durcheinander fließenden Segel spannen.

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