Druckschrift 
Geschichte des Grimmschen Wörterbuchs
Entstehung
Seite
37
Einzelbild herunterladen
 

37

wesentlicher Inhalt wiederholt wird in Räumers Geschichte dergermanischen Philologie. Es versteht sich bei ihm von selbst,daß der Ton seiner Kritik der Widerhall ist der hohen Ver-ehrung, die er hegt für den größten Meister des Faches. Waser rühmt, ist die Reichhaltigkeit und Massenhaftigkeit des ver-arbeiteten Materials, Grimms unerreichte Beherrschung allerälteren germanischen Sprachen, des greisen Meisters unver-gleichliche Kombinationsgabe, welche alle seine Arbeiten aus-mchnet. Er beklagt es aber als einen ernsten Mangel, daßdas Wörterbuch nicht ruhe auf einem eindringenden und um-fassenden Studium der neuhochdeutschen Literatur, sondern aufden Zettelexzerpten anderer. Er tadelt, daß in dem Qnellen-verzeichniß des I. Bandes fehlen die Werke von JohannArndt, Spener, August Hermann Francke, Zinzen-dorf, Keppler, Al brecht Dürer; daß der benutzten Luther-ausgabe gerade die Kirchenpostille fehle, daß die Geschichte derWorte Bewegungsgrund, Bewußtsein und Begriff nichtauf Christian Wolfs zurückgeführt ist, dessen Wichtigkeit für-philosophische Ausdrücke des achtzehnten Jahrhunderts ganz un-gemein sei; daß das Wörterbuch ferner in den meisten Fällenkeine ausdrückliche Auskunft gebe, ob ein Wort oder eine Wort-form noch gegenwärtig im Gebrauch ist oder nicht, sondern esdem Leser überlasse, dies aus den beigefügten Belegen zu ent-nehmen; ferner daß Jakob Grimm gewisse Formen, wie z. B.Bogen durch seine Bemerkungen wieder auf die ältere soge-nannte organische Bogc zurückführen möchte.

Im Jahre 1860 tritt Jakob Grimm selber als Benr-theiler des Wörterbuchs, wenigstens in Betreff des BuchstabenD ans. Er sagt von dem Bearbeiter desselben, dem am16. Dezember 1859 Heimgegangenen geliebten Bruder Wilhelm:

Er arbeitete langsam und leise, aber rein und sauber;wenn sein Verspäten einigemal Gefahr brachte und die Geduld

(2SS)