Druckschrift 
Geschichte des Grimmschen Wörterbuchs
Entstehung
Seite
32
Einzelbild herunterladen
 

32

giebt die folgende Abhandlung. Statt dessen wird definirt:„ein erhöhtes Blatt, vor dem man steht oder sitzt, nm allerhandGeschäfte darauf vorzunehmen" oder auch: „eine auf Füßenerhobene oder ruhende Scheibe, vor der oder wobei man ver-schiedene Verrichtungen vornimmt." Ich stelle mir vor, daßsinnigen Frauen das Lesen im Wörterbuch durch die eingestreutenlateinischen Ausdrucke so wenig gestört oder gar verleidet wird, alssie ein Zeitungsblatt ungelesen lassen wegen der juristischen, mili-tärischen, diplomatischen Kunstwörter, die darin stehen. DieBefähigung zu dem Wörterbuch wird sich durch den Gebrauchselbst mehren."

Ein besonderer Vorzug des Grimmschen Wörterbuchs istdie Fülle der Belegstellen; es ist ihm zum Vorwurf gemachtworden, daß einzelne Wörter so reichlich damit bedacht sind,andere beinahe leer ausgehen. Und doch entspricht es demwohlüberlegten Plan der Verfasser: es sollte damit angezeigtwerden, ob ein Wort beliebt, viel gebraucht oder gemieden undselten sei. So ersehen wir denn gleich aus der Zahl derCitate, daß „ahnungsvoll" und „bethätigen" LieblingswörterGoethes sind.

Alle Belege aber, wie es beinahe unnöthig zu sagen ist,drücken durch ihren Inhalt lediglich die Ansicht des Schrift-stellers aus, von dem sie stammen; sie wollen, sagt JakobGrimm, zumal in Glaubenssachen, deren sie aus dem Zeit-alter der Reformation eine große Menge anrühren, nichtsdogmatisch aufstellen, alles nur geschichtlich erläutern. Daß aberdie protestantische Färbung dabei vorherrscht, folgt aus derUeberlegenheit der protestantischen Poesie und Sprachbildnng;es ist doch nirgend versäumt worden aus katholischen Werken,soviel man ihrer habhaft werden konnte, allen Gewinn zu ziehen,welchen sie darboten. Die aus Luthers Schriften entnommenenAenßerungen über den Ablaßkram geben unmöglich gegründeten

< 250 ,