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„Nunzeit" oder „Nochzeit"? es wäre eben so zulässig, eben sosinnreich. Wer nicht fühlt, wie abgeschmackt „Zweckessen" lautet,der ist nicht zu bessern. Alle diese neugeschaffenen Mißgestaltenspringen wie Dickbäuche und Kielkröpfe zwischen schön geglie-derten Menschen umher. Will sich die Sprache aus ihremAlterthum durch Wiederaufnahme einzelner' Wörter stärken, sohabe ich nichts dagegen, aber es muß mit Einsicht und Maßgeschehen, nur wenn man fühlt, daß das welk gewordene nochKraft hat, sich wieder aufzurichten, mag man es versuchen; indas völlig Abgetrocknete dringt kein neues Leben; wen aber dieErforschung der alten Sprache nicht dazu berechtigt, der thntklug, sich an das zu halten, was die Gegenwart bietet. Glaubtsich doch jeder befugt, auch die Orthographie zu meistern, die,wie verderbt sie ist, doch nur durch Einsicht in das geschichtlicheVerhältniß der einzelnen Laute allmählich kann gereinigt werden.Zu diesem kecken Vordrängen macht die Furchtsamkeit einenseltsamen Gegensatz, mit welcher man sich scheut die großenBuchstaben aufzugeben (es ist das natürlichste von der Weltund geschichtlich wohl begründet): man erschrickt davor wie voreiner Umwälzung der bestehenden Ordnung.
Ein Redner vor mir hat mit Recht behauptet, die Wissen-schaft suche nicht sich selbst allein, sie sei vorhanden, um denGeist des ganzen Volks (ich begreife alle Stände darunter) zuerheben und auf seinem Wege zu fördern. Möge daher dasWörterbuch nicht blos die Forschung begünstigen, sondern auchimstande sein, das Gefühl für das Leben der Sprache zu er-frischen. Luther hat gesagt, die Sprache sei die Scheide, inwelcher der Stahl des Gedankens stecke: die Scheide ist schlotteriggeworden, Nebel und Dünste setzen sich mit Rostflecken auf denGlanz. Jede gesunde Sprache ist bildlich, auch der zartesteGedanke verlangt einen sichtbaren Leib. In der letzten Bildungs-stufe hat sich eine überwiegende Neigung zu abstrakten Aus-
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