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Geschichte des Grimmschen Wörterbuchs
Entstehung
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haben es gewagt, das Messer zu ergreifen und in das frischeFleisch einzuschneiden. Ich will nur das traurige Andenken anWolke und Radios erneuern, die mit Eifer und Fleiß, abermit beispiellosem Unverstand die natürliche Gestalt der Sprachezerstören wollten. Noch immer spuken sie fort, zwar mindergewaltsam, aber desto gefährlicher; man lebt in dem Wahn,ein jeder dürfe, wie es ihn gelüste, mit der Sprache umspringenund ihr seine geistlosen Einfälle anfdrüngen, sobald sie etwalogischen Schein haben oder sich irgend eine Analogie dafüranführen läßt; ja, auch ohne eine solche Entschuldigung wirftman ihr Schutt und Schlacken dieser Art auf den Weg. Nurein paar Beispiele, wie sie mir gerade einfallen. Ich

habe lesen müssen und zwar gedruckt, „von mehrmaligen aus-streckenden Hinzureimungen", was hinzugefügte Verse einesGedichtes bedeuten soll. Da ist nicht von der Verstoßung derGemahlin, sondern von dem „Verstoß" die Rede, oder von der„Treugestalt" eines Mannes. Was „augenstecherische, meer-werferische Zusicherungen" sein sollten, habe ich vergessen. Dochgenug, ich will nur die Gelegenheit benutzen noch einiger Zu-sammensetzungen (es sind auch nur Beispiele) zu gedenken, dieeben jetzt mit der Anmaßung auftreten, als liege darin eineBereicherung und ein Fortschritt der Sprache. Man nenntselbstredend, was sich von selbst versteht, als wäre es gut deutsch,wenn man sagte, „der Stumme schwieg selbstredend still".Selbstredend ist nur, wer bei seiner Rede sich selbst vertrittund keines andern bedarf, wie selbständig, wer auf eigenenFüßen, nicht aber gleich einem Korkmännchen von selbst steht.Wie wohl nach dieser schönen Erfindung ein Selbstdenker z»erklären wäre? er könnte sich jede Anstrengung beim Denkenersparen, wie der Selbstthätige beim Handeln. Was Gegenwartheißt, weiß ein jeder, aber „Jetztzeit", übelklingend und schwerausznsprechen, soll bedeutungsvoller sein, warum nicht auch

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