ann, geht wohl ebensosehr daraus hervor, daß solch eine Um-bildung nicht beobachtet wird, wie aus dem Satze:" „Dennwir können ebensogut sagen, ein Stanbwerkzeng seiein zusammengezogenes (also nmgewandeltes) Blumen-blatt, als wir von dem Blumenblatte sagen, es sei einStaubgefäß im Zustande der Ausdehnung." Dies zeigt,daß Goethe nicht meinte, ein thatsächlich vorhandenes Seiten-gebilde entstände durch Umwandlung eines andersartigen that-sächlich existirenden Seitcngebildes, sondern daß er sich alleArten der Seitengebilde als umgewandelte Gestalten eines unddesselben — unter ihnen nicht thatsächlich vorhandenen —Grundgebildes dachte."
Hierin liegt zugleich enthalten, daß Goethe nicht die Um-wandlung einer Art der Seitengebilde in eine andere im Laufeder phylogenetischen Entwickelung der Pflanzen angenommen hat;wenigstens wäre es thöricht, neben anderen Darwinistischen An-sichten auch diese dem Dichter zuzuschreiben, da sich hierfürdurchaus keine Anhaltspunkte bei ihm finden, während gewisseseiner sonstigen Aussprüche sich allenfalls nothdürftig in gutemDarwinistischem Sinne deuten lassen.
Wenn wir jetzt die wahre Meinung Goethes, daßsich die verschiedenen Seitengebilde der Pflanze von einerunter ihnen nicht vorhandenen, gemeinsamen typischen Grund-form herleiten lassen, in Betracht ziehen, so giebt es auch hiereine Möglichkeit, nach der von einer eigentlichen Metamorphose,also einer materiellen Umwandlung gesprochen werden kann.Diese Möglichkeit ist in der Entwickelnngsgeschichte geboten.Wir erwähnten bereits, daß alle Seitengebilde in ihrer Ent-wickelung anfänglich gleichartig auftreten: sie stellen ganz gleichaussehende seitliche Zellwncherungen in Form kleiner Wärzchendar, die sich erst später in verschiedener Weise ausbilden —differenziren — und nur nach und nach ihren schließlichen