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Goethe - und noch immer kein Ende! : kritische Würdigung der Lehre Goethes von der Metamorphose der Pflanzen
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Diese Ansicht, die bereits Schiller bei Gelegenheit seinesberühmt gewordenen ersten Begegnisses mit Goethe treffendals Idee im Gegensatz zur Erfahrung bezeichnet hatte/o sie istes, die wir kritisch zu beleuchte» haben.

Wie ist sie zunächst des näheren zu verstehen? Was heißtes, wenn gesagt wird: alle Seitengebilde seien wesentlich dasselbeOrgan? Welcher Art ist die Umwandlung einer Gestalt in dieandere, von der die Rede ist?

Dies alles sind Fragen, ans die uns Goethe bestimmte,klare Antworten geben sollte. Indessen finden wir bei ihmtheils keine direkten, theils unklare Antworten. Und so wieder-holt sich denn wie noch in vielen anderen Fällen das Schauspiel,daß wir auf das Suchen nach allerlei auf die betreffendenFragen bezüglichen Aussprüchen, ans das Auslegen derselben,auf das Errathen der Meinung, die der Dichter mit ihnen ver-band, angewiesen sind. Dadurch wird es denn zum großenTheil erklärlich, wie die Gelehrten in ihrer Auffassung undBenrtheilung der wissenschaftlichen Leistungen Goethes so viel-fach auseinandergehen können.

Was die Sache selbst betrifft, so konnte unter dem Ans-druckeUmwandlung einer Gestalt in die andere"" und demSatze:Gewisse äußere Theile der Pflanzen verwandeln sichmanchmal und gehen in die Gestalt der Nächstliegenden über","sowie dem anderen Satze:Die äußeren Pflanzentheile entwickelnsich gleichsam aus einander"," und endlich etwa dem:DieNatur bildet im Kelch kein neues Organ, sondern verbindet undmodifizirt nur die uns schon bekannt gewordenen Organe","verstanden werden, daß eine wirkliche reelle Umwandlungeines Seitcngebildes in ein anderes vor sich gehe, so etwa, daßein Kelchblatt erst Laubblatt wäre und dann in die Gestalt desKelchblatts überginge. Daß Goethe, der ein offenes, reinesAuge für die Sinnenwelt hatte, derartiges, nicht gemeint haben

(MS)