^ie naturwissenschaftlichen Arbeiten Goethes werden —von der Farbenlehre abgesehen, gegen die sich die Gelehrtenziemlich einstimmig erklärt haben — in unserer Zeit überwiegendgünstig beurtheilt. Besonders Hackel versucht es/ Goethe sohinzustellen, als hätte er den großen Gedanken der Descendenz-theorie schon voll erfaßt. Des Dichters osteologische undbotanische Leistungen werden von ihm und anderen fast aus-nahmslos gefeiert. Stimmen, wie die des Botanikers Sachs^und die des Berliner Physiologen Du Bois-Reymond, der inseiner Schrift „Goethe und kein Ende" die Aenßerung thut:„Die Wissenschaft wäre auch ohne Goethes Betheiligung heuteso weit, wie sie ist"/ bleiben vereinzelt.
Haben diese von hervorragenden und philosophisch gebildetenForschern ausgehenden Stimmen ganz und gar unrecht? ist esnur der beschränkte Geist der Schulgelehrten, der in ihnen demGenius, dessen Fluge er nicht zu folgen vermag, in neidischerAbsicht etwas am Zeuge flicken möchte? — Oder vielleichtdoch nicht?
Abgesehen von solchen Anssprüchen wie dem eben ange-führten von Du Bois-Reymond, die wegen ihrer weit-gehenden Allgemeinheit auf schwankem Grunde stehen und zudemmehr hingeworfene Schlagworte sind, scheint es von vornhereinnicht unannehmbar, daß der Tadel Goethe scher Leistungenwenigstens bis zu einem gewissen Grade gerecht sein möchte, da
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