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Byron im Lichte unserer Zeit : ein Vortrag zur Feier des hundertjährigen Geburtstages Lord Byrons im Verein für das Studium neuerer Sprachen zu Berlin
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Der Mutter holdeste bist du, Natur,

Du wechselst stets, doch bleibt dein Antlitz mild;

Es beut mir Sättigung dein Busen nur,

Dem Stiefkind unentwöhut und ungestillt,

Dn bist am schönsten, wenn dein Ausdruck mildAuf rauhen Pfaden ausregt unser Blut.

Mir lächelte bei Tag und Nacht dein Bild;

Dich zwar belauschend, wo's kein Andrer thut,

Sucht' ich dich mehr und mehr, verliebt in deine Wuth,

In der Naturmalerci gilt Byron allgemein als Meister,Man Pflegt seine Stimmungsbilder, wie sie bezeichnet wordensind, so sehr als das Glänzendste in seiner ganzen Phantasieanzusehen, daß ein Engländer hat sagen können:Was würdedieser Dichter ohne seine Schilderungen sein?" Ja, Byron hatimDon Juan" die Schilderung für seine eigentliche Stärke er-klärt. Aber sollten nicht vielleicht auch die eigentlichen Glanz-punkte seiner Werke anznfechtcn sein? Sehen wir uns zweivorzugsweise berühmte Stellen genauer darauf an. Die erstederselben findet sich im Giaour I,, 68 ff.

Wer hingebeugt dcu Blick gewandtAuf Tod, eh' noch der Tag entschwand,

Der erste dunkle Tag des Nichts,

Der letzte qualvollen Verzichts,

Eh' Finger des Verfalles eilendSchönheit getilgt auf Formen weilend;

Wer Engelsangesicht erblickt,

Im Frieden wonniglich beglückt,

Die Wange matt zugleich und hart,

Die holde Nnmuth halb erstarrt;

Wär's Auge trübe nicht verhüllt,

Aus dem nicht Trost strahlt, Thrüne quillt;

Wär' nicht die Stirn kalt, wandellos,

Von der ein Bann den, der im SchmerzSich naht, dnrchschaucrt bis ins Herz,

Als würd' ihm selbst zu theil das Loos,

Vor dem er bangt, das Strafgericht:

Ja wäre dieser Ausdruck nicht;

(W)