(§in hundertjähriger Geburtstag entrückt den, welcher ge-feiert wird, in eine poetische Ferne und läßt die Gesammteindrückedes Lichtes und Schattens klar hervortreten, so daß eine gerechteund unparteiische Würdigung möglich wird. Lord Byron aberfordert mehr als andere Dichter Nebung der Kritik; denn
Von der Parteien Gnnst und Hah entstelltSchwankt sein Charakterbild in der Geschichte.
Wir sind geneigt, es als etwas für die Literaturgeschichteder neueren Zeit Charakteristisches anznsehen, daß wir gewöhnlichdie Lebensverhältnisse genau kennen, aus denen die einzelnenWerke hervorgegangen sind. Allein Milton, dessen stark hervor-tretendes Selbst für seine Schöpfungen eine ausführliche Biographiefordert, ist uns viel genauer bekannt, als Lord Byron; und dochwäre gerade bei diesem subjektivsten aller Dichter Aufklärungüber so vieles Näthselhafte in höchstem Grade wünschenswerth.
Byron ist fast zu einem mythischen Wesen geworden; soviele falsche Vorstellungen haben sich mit seiner Persönlichkeitverknüpft, ja man hat meistens nicht einmal ein richtiges Bildvon seiner durch zahlreiche Portraits bekannten äußeren Er-scheinung. „Wer hat nicht," sagt ein Biograph, „von seinerdüsteren Stirn, von seinen schwarzen Locken, von seinen dunklenAugen und von seinem Klumpfuß gehört? Und doch war seinheiteres Lächeln nicht minder bedeutsam als die Schönheit seiner
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