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Byron im Lichte unserer Zeit : ein Vortrag zur Feier des hundertjährigen Geburtstages Lord Byrons im Verein für das Studium neuerer Sprachen zu Berlin
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Geh' nicht an meinem Grab vorbei; mein Herz,

Das dich geliebt, mein Leib, sie ruhen hier;

Ich trotzte jedem, nur nicht einem Schmerz,

Fand' ich im Tod Vergessenheit bei dir.

Gehör für letztes Wort ist mein Begehr

Gram um den Tod erlaubt die Tugend schon

Um eine Thräne bitt' ich, bat nie mehr,

So vieler Liebe letzten, einz'gen Lohn.

Anklang haben von jeher besonders die hebräischen Melodiengefunden, weil sie zn Byrons einfachsten Dichtungen gehören.Der Anschluß an die Bibel hat zn einem Maßhalten in derAnwendung der poetischen Mittel geführt, das im Vergleich mitdem sonst alle Schranken durchbrechenden Sturm der Phantasieeinen wohlthätigen Eindruck macht. Wir können diese halbepischen, halb lyrischen Gedichte freilich nicht Götheschen, Schiller-schen oder Uhlandschen Balladen als völlig ebenbürtig zurSeite stellen, da sie weniger durch die waltende Macht derIdee, als durch malerische Schilderung wirken. Die bekanntestenderselben sind wohl die beiden folgenden:

Das Gesicht Belsazars.

Der König thront im Saale,

Satrapen um ihn her;

Das Fest ini KerzenstrahleIst wie von Licht ein Meer.

Biel güldne Schalen blinken,

Jehovahs Tempclgnt;

Gottlose Heiden trinkenDaraus der Rebe Blut.

Gäste zur Stunde sehenDie Finger einer HandAn weißer Wand hingehen.

Sie schreiben lvie in Sand.

Die Züge, hingeschriebenVon einer Menschenhand,

Sind deutlich stehn geblieben,

Durch Zauber festgebannt.

( 8''1