sie auch gehalten sind, vollständig aufgcht und sich mit ihneneins fühlt. Wie im Roman hat jener auch in seinen Epenans Lösung von Problemen durch feinere psychologische Zeichnungverzichtet; Byron, keineswegs Meister in der Charakterentwicklung,läßt uns in die Tiefen, ja in die Abgründe seiner eigenenSeele blicken. Darauf beruht zum Theil der Zauberbannseiner Dichtung; wenngleich für den Gebildeten das Dämonischein ewiger Wiederkehr sich abnutzt und seine Gewalt einbüßt.Es kam dem Dichter der rohe Geschmack des Volkes entgegen,das sich den Knaben gleich als Lieblingshelden kühne Abenteurerund Verbrecher zu wählen pflegt; aber er selbst hat durchGestalten wie seinen „Korsar" diesem bedenklichen Geschmack Vor-schub geleistet und Nahrung gegeben. Er hat eine eigenthümlicheVerirrung romantischer Modeschwärmerei hervorgerufen, welchedie Satire herausfordern mußte, zumal da sich eine lächerlich sichüberbietende Nachäfferei des Dichters in seiner äußeren Erscheinunganschloß.
Sind schon die Charaktere in Byrons erzählenden Gedichtentheils zu wenig durchgeführt, theils zugleich unnatürlich undmonoton, so muß dieser Fehler noch ungleich mehr in den Dramenhervortreten. Denn während dort der Glanz der Nebenpartienuns chon den Charakteren absehcn läßt, sind diese im Drama biszu dem Grade Hauptsache, daß jeder mit ihnen nicht wirklichzusammenhängende Schmuck nur störend wirkt. Macaulay hatmit besonderer Beziehung auf „Sardanapal" darauf hingewiesen,daß wohl der Satiriker in Antithesen seine Meisterschaft zeigt,daß aber der Dramatiker sie zu einem einheitlichen und lebens-frischen Bilde zu verschmelzen berufen ist. Byron verstand diesebensowenig, als er die Antithesen seines eigenen Wesens har-monisch auszugleichcu imstande war. Wo Selbstbespiegelungaufhörte, ging die Charakterzeichuung aus; er vermochte sich nichtin den Geist Andrer hinein zu versetzen und fremdes Wesen zu